Wilder Kaiser

Der Wilde Kaiser ist ein markanter Gebirgszug in den Alpen. Es gehört zu den nördlichen Kalkalpen.  Der höchste Punkt des Wilden Kaisers liegt auf 2.344 Metern im Ellmauer Halt.

Das Ramsar-Gebiet erstreckt sich über die Gemeinden Kufstein, Scheffau, Ellmau, Going, St. Johann, und Kirchdorf.

Das „Kaisergebirge“ steht seit 1963 unter Naturschutz. Es umfasst zwei parallel west-östlich streichende Hauptkämme, die  etwa 20 km lang und 14 km breit sind. Der nördliche Zug des Naturschutzgebietes umfasste den Zahmen Kaiser, der südliche den Wilden Kaiser. Die bis zu 1.000 m hohen Abstürze sowie die bizarren Felsspitzen verleihen dem Gebirge eine Wildheit und Großartigkeit, wie sie im weiten Umkreis nicht zu finden sind. Viele Gipfel des Kaisergebirges sind berühmte Kletterberge. Das Naturschutzgebiet ist 102 km² groß.

Geologisch gehört das Kaisergebirge zu den Nördlichen Kalkalpen. Der Wettersteinkalk, der den bis zu 1.000 m mächtigen sichtbaren Oberbau bildet, prägt das Kaisergebirge mit seinen hellgrauen und steilen Felswänden. In den Mulden der Täler liegen jüngere Gesteine, vor allem Hauptdolomite. Nach der letzten Würmeiszeit wurde reichlich Moränenmaterial abgelagert.

In seiner Vielfältigkeit vereint der Wilde Kaiser gleich mehrere Typen von Feuchtgebieten in sich. Vom Karst in den schroffen Gipfeln, über Quellfluren und Fließgewässer bis hin zum Moorkomplex der Pidringer Platte erstreckt sich die Vielfältigkeit dieses einzigartigen Ramsar-Gebietes auf knapp 38 km².  Die Moore sind "Überbleibsel" der letzten Eiszeit und bieten zwischen Fichten, Kiefern und Latschen, Birken und Buchenwäldern einen intakten Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten. Die Österreichischen Bundesforste haben viele Moore außer Nutzung gestellt und auch renaturiert.

Mehrere Feuchtgesellschaften sind im Kaisergebirge ausgebildet: z.B.

  • In feuchten Senken sind verschiedene Seggengesellschaften zu finden.
  • Hintersteiner See (883 m): Schilfröhricht mit Schilf und Rohrkolben, Schnabelseggen, Blasenseggen.
  • Kohllahner Sattel (1470 m): Schnittlauch-Sumpf. Diese seltene Pflanzengesellschaft wurde erstmals aus dem Kaisergebirge beschrieben. Die Kennart Allium schoenoprasum bedeckt mit ihren violetten, dicht stehenden Blütenköpfen die Krautschicht.
  • Granderalm (1240 m): Waldsimsenwiese, Schnabelseggen, Braunseggengesellschaft.
  • Hinterbärenbad im Kaisertal (800 m): Gebirgsbinsengesellschaft mit Schachtelhalm und Binse.
  • Kleinmoosenalm (1.380 m): Quellmoor mit Gebirgsbinsengesellschaft.
  • Quellfluren: Kalkquellfluren höherer Lagen, z.B. bei der Maukalm (1.250 m), unterhalb der Scharlinger Böden (1.330 m), Felswand oberhalb der Kreideböden (1.270 m).

Im Kaisergebirge (480 bis 2.344 m Seehöhe) kommen verschiedene Waldgesellschaften vor. Am Verbreitesten ist der nordalpine Fichten-Tannen-Buchenwald der montanen Stufe. In der tiefmontanen und montanen Stufe dominieren Bergahorn-Eschen-Wälder. Auf sonnseitigen Felspartien im Kaisertal liegen wärmeliebende Buchen-Mischwälder. An den vernässten Hängen und Bächen haben sich verschiedene Erlengesellschaften entwickelt. Ab 1.400 m dominiert der subalpine Fichtenwald.

An den Südhängen des Wilden Kaisers wurden Erlebnispfade angelegt und Wanderrouten geschaffen. Unter dem Motto "Moor & more" entstand so ein "Klassenzimmer im Freien" mit Thementafeln für die Botanik-Exkursion auf eigene Faust.

Ramsar-Schutzgebiet Wilder Kaiser

Ramsar-Gebiet seit 08/04/2013; Tirol; 3.781 ha; 47°34'0"N 012°18'0"E. Naturschutzgebiet.

Zuständige Verwaltung

Amt der Tiroler Landesregierung
Abt. Umweltschutz
Eduard-Wallnöfer-Platz 3
6020 Innsbruck
E-Mail: umweltschutz@tirol.gv.at

 

Literatur

SMETTAN, H. W. (1981): Die Pflanzengesellschaften des Kaisergebirge. – Verein zum Schutz der Bergwelt, Jubiläumsausgabe, Eigenverlag des Vereins.

Veröffentlicht am 05.04.2019