Waldviertler Teich-, Moor- und Flusslandschaft

Das vielfältige Landschaftsmosaik umfasst naturnahe Fischteiche, die Lainsitz und andere Flüsse und Bäche, Feuchtwiesen sowie Moore bzw. Moorkomplexe.

Das vielfältige Landschaftsmosaik umfasst naturnahe Fischteiche, die Lainsitz und andere Flüsse und Bäche, Feuchtwiesen sowie folgende Moore bzw. Moorkomplexe: Karlstifter Moore, Gemeindeau, Rottalmoos, Schönauer Moos, Haslauer Moor und Schremser Moor. Fast alle Moore wurden früher genutzt (Torfstich).

Gebietsbeschreibung

Das Ramsar-Gebiet „Waldviertler Teich-, Moor- und Flusslandschaft“ liegt im nordwestlichen Waldviertel im Bezirk Gmünd, unmittelbar an der Grenze zu Tschechien. Das ca. 13.000 ha große Gebiet umfasst die wichtigsten Feuchtlebensräume im Einzugsgebiet der Lainsitz in drei von einander getrennten Teilgebieten:
 
 

 
Drei von einander getrennten Teilgebiete können unterschieden werden:
 

  1. Karlstifter Moore: Moorkomplex mit mehreren Moorflächen.
  2. Lainsitz, Elexenbach, Romaubach, Braunaubach, Pürbach-Hoheneicher Teichlpatte, Gehartsteich, Haslauer Teich, Winkelauer Teich, Schremser Moor, Haslauer Moor, Gmeindeau und Bruneiteich: Dieses Gebiet umfasst u.a. den gesamten auf österreichischen Gebiet liegenden Teil der Lainsitz und den flussbegleitenden Wiesen.
  3. Reißbach, Rottalmoos und Schönauer Moor: Dieses Gebiet umfasst u.a. den gesamten Verlauf des Reißbaches auf österreichischer Seite sowie die flussbegleitenden Wiesen.

 
Das Ramsar-Gebiet "Fluss-, Moor- und Teichlandschaft Waldviertel" umfasst - wie der Gebietsname schon vermuten lässt - eine ökologisch bemerkenswerte Fluss-, Teich- und Moorlandschaft.

Lebensadern des vielfältigen Landschaftsmosaiks sind die Lainsitz und ihre Zubringer: Romaubach, Braunaubach, Reißbach, Schwarzabach und Elexenbach. Abschnittsweise beeindrucken die Waldviertler Fließgewässer als natürliche oder naturnahe mäandrierende Gewässer zu, z.T. kommen auch Alt- und Totarme vor.

Entlang der Lainsitz findet sich eine naturnahe Kulturlandschaft. Hier bilden Mähwiesen, Hochstaudenfluren und Weiden- und Erlengebüsch entlang des Ufers ein vielfältiges Mosaik an Lebensräumen.

In Hinblick auf ihre besondere ornithologischen Bedeutung sind vor allem die Fischteiche zu erwähnen: Bruneiteich, Winkelauer Teich, Haslauer Teich, Gebhartsteich und die Pürbach-Hoheneicher Teichplatte. Die Entstehung der Waldviertler Teiche lässt sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen!

Die Teiche des Ramsar-Gebietes weisen zum Teil reich strukturierte Verlandungszonen auf, die meist aus Schilf, Rohrkolben, Großseggen und Reitgras gebildet werden. Manchmal sind auf den Teichen auch Inseln, Buchten und Halbbuchten ausgebildet. Die an die Teiche angrenzenden nassen und verschilften Flächen bilden zusammen mit Erlen- und Weidengebüsch und verwachsenen Zuflüssen reich strukturierte Lebensräume.
 
Der Gebhartsteich ist mit 65 ha der größte Fischteich des Waldviertels. Der Teichgrund ist im allgemeinen wenig bewachsen. Die Teiche sind während des Vogelzugs wichtige Rastplätze für verschiedene Watvogel- und Limikolenarten. Die Waldviertler Teiche zählen zu den Important Bird Areas Österreichs.

Im Ramsar-Gebiet liegen folgende sechs Moore bzw. Moorkomplexe: Karlstifter Moore, Gemeindeau, Rottalmoos, Schönauer Moos, Haslauer Moor und Schremser Moor. Die Karsltifter Moore umfassen mehrere Moorgebiete in Hangmulden, die bis zu 7 km voneinander entfernt liegen. Es handelt sich dabei um ausgedehnte Latschenhochmoore. Fast alle Moore im Ramsar-Gebiet wurden früher genutzt. Mehr oder weniger offene Stichwannen weisen auf den ehemaligen Torfabbau hin.

Das österreichische Ramsar-Gebiet bildet durch die gemeinsame Wasserader Lainsitz eine ökologische Einheit mit den zwei tschechischen Ramsar-Gebieten "Teichgebiet Trebon" und "Moorgebiet Trebon". Das Gebiet um Trebon ist ein flaches, von der Lainsitz entwässertes Becken. Es umfasst viele Fischteiche mit einer Wasserfläche von über 10.000 ha. Das geschützte Moorgebiet umfasst etwa 1.000 ha.

Gebietsdaten und Übersichtskarte

Die wichtigsten Daten des Ramsar-Gebietes "Waldviertler Teich-, Moor- und Flusslandschaft".

Bundesland: Niederösterreich

Politischer Bezirk: Gmünd

Koordinaten: 48 46' N, 15 59' E

Seehöhe 472 - 870 m

Feuchtgebietstypen

  • Ständig wasserführende Bäche, Flüsse und Ströme (Typ M);
  • Dauernd wasserführende Teiche und Tümpel (Typ Tp);
  • Saisonal wasserführende Teiche und Tümpel   (Typ Ts);
  • Nicht aufgeforstete Moore (Typ U);
  • Aufgeforstete Moore (Type Xp);
  • Fischteiche (Typ 1);
  • Saisonal überschwemmtes Ackerland (Typ 4)

Ramsar-Gebiet seit 1999

Besitzverhältnisse: Privatbesitz, Gemeinde, Land- und Bundesbesitz

Fläche 13.000 ha

Bemerkenswerte Pflanzenarten

Ausgewählte Pflanzenarten werden nachfolgend genannt.

Zwergbirke (Betula nana), Spirke (Pinus x rotundata), Moor-Drachenwurz (Calla palustris), Sumpfporst (Ledum palustre), Braunes Torfmoos (Sphagnum fuscum), Siebenstern (Trientalis europea), Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia), Langblättriger Sonnetau (Drosera anglica), Fieberklee (Menyanthes trifoliata), Sumpf-Veilchen (Viola palustris), Rauschbeere (Vaccinium uliginosum), Wasser-Schwertlilie (Iris pseudacorus), Weiße Seerose (Nymphea alba), Steife Segge (Carex elata), Große und Kleine Wasserschlauch (Urtricularia australis, U. minor), Sumpf-Blutauge (Potentilla palustris), Rosmarinheide (Andromeda polifolia), Rentierflechte (Cladonia stellaris) u.a.

Hydrologie

Die Teichwirtschaft im Waldviertel besteht seit dem 13. Jahrhundert. Heute existieren im Waldviertel rund 1.400 Teiche mit einer Gesamtfläche von 1.700 ha (Dvorak et al. 1994).

Wasserqualität und -chemie können von Teich zu Teich ziemlich verschieden sein. Sie hängen von der Bewirtschaftungsintensität sowie von der Qualität der Zuflüsse ab. Die Teiche und Flüsse des Schutzgebietes dienen bei Hochwasser als Retentionsgebiete.

Auswahlkriterien

Für die Waldviertler Teich-, Moor- und Flusslandschaft treffen folgende internationale Ramsar-Kriterien zu:

* Ein Feuchtgebiet gilt als international bedeutend, wenn es repräsentative, seltene oder einzigartige Beispiele von natürlichen oder naturnahen Feuchtgebietstypen innerhalb der entsprechenden biogeographischen Region aufweist (Kriterium 1).

* Ein Feuchtgebiet gilt als international bedeutend, wenn es gefährdete, stark gefährdete Arten oder vom Aussterben bedrohte ökologische Gemeinschaften beherbergt (Kriterium 2).

* Ein Feuchtgebiet gilt als international bedeutend, wenn es Populationen von Pflanzen- und/oder Tierarten beherbergt, die für die Erhaltung der biologischen Vielfalt in der jeweiligen Region von Bedeutung sind (Kriterium 3).

* Ein Feuchtgebiet gilt als international bedeutend, wenn es Pflanzen- und/oder Tierarten in einem kritischen Stadium ihrer biologischen Entwicklungszyklen beherbergt, oder als Lebensraum bei ungünstigen Bedingungen dient (Kriterium 4).

Aktuelle Nutzung

Folgende Nutzungsarten sind zu nennen:

Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei: Fischzucht, vor allem Karpfen, ist im Waldviertel ein wesentlicher Wirtschaftszweig.

Landwirtschaft: Streuwiesennutzung, Ackerbau

Erholung: vereinzelt Badebetrieb (Bruneiteich), Angeln, Naturlehrpfad.

Erhaltungsmaßnahmen

Bruneiteich und Gebhartsteich wurden 1980, die Karlstifter Moore 1981 zu Naturschutzgebieten erklärt. Der Schönauer Teich steht als Naturdenkmal unter Schutz.

Das Ramsar-Gebiet wurde 1999 ausgewiesen. Das Schremser Moor ist seit dem Jahr 2000 Naturschutzgebiet und Naturpark "Schremser Hochmoor". Teilbereiche der Lainsitz sind ebenfalls Naturschutzgebiet. Das Gebiet wurde als Natura 2000-Gebiet "Waldviertler Heide-, Teich- und Moorlandschaft" nominiert.

Managementpläne bestehen für Lainsitz, Reißbach, Rottalmoos, Gemeindeau, Winkelauer Teich, Gebhartsteich, Bruneiteich, Schandachen Teich, Jägerteich und Großen Radischen Teich. Diese wurden im Zuge des LIFE Projektes "Feuchtgebietsmanagement für das oberer Waldviertel" (1996-1999) entwickelt. Weiters wurden Pufferzonen rund um Teiche und Fließgewässer geschaffen und Renaturierungsmaßnahmen in den Mooren durchgeführt.

In der Gemeinde Schrems ist die Errichtung des Ramsar-Zentrum Waldviertel (siehe auch unter Themenschwerpunkt dieser Homepage: "Umsetzung") geplant. Diesbezüglich wurde eine Machbarkeitsstudie im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Jugend und Familie sowie des Amtes der Niederösterreichischen Landesregierung mit Mitteln der EU (Kofinanzierung) durchgeführt. Die beste Variante gemäß Machbarkeitsstudie soll umgesetzt werden.

In der Kooperationsvereinbarung vom Dezember 2000 verpflichten sich die Stadt Schrems und WWF-Stützpunkt Waldviertel (beide Repräsentanten für Österreich) und die Stadt Trebon (Repräsentant für Tschechien) zur Zusammenarbeit in einem gemeinsamen Projekt. Dieses setzt sich aus dem PHARE-Projekt "Besucherinformationszentrum zum Thema Mensch und Natur" und dem Interreg-IIIa-Projekt "Schwerpunkt Ramsar-Zentrum Waldviertel" zusammen.

Bemerkenswerte Tierarten

Ausgewählte Tierarten werden nachfolgend genannt.

Säugetiere: Fischotter (Lutra lutra), Zwergmaus (Mycromys minutus) etc.

Edelkrebs (Astracus astracus), Flußperlmuschel (Margaritifera margaritifera)

Schmetterlinge: Großer Ameisenbläuling (Maculinea telejus), Dunkler Ameisenbläuling (Maculinea nausithos) u.a.

Libellen : Blauflügelige Prachtlibelle (Calopteryx virgo), Gebänderte Prachtlibelle (Calyopterix splendens), Grüne Keiljungfer (Ophiogomphus cecilia) u.a.

Heuschrecken: Kurzflügelige Schwertschrecke (Conochephalus dorsalis), Sumpfschrecke (Mecostethus grossus), Kleine Goldschrecke (Euthystira brachyptera) u.a.

Amphibien und Reptilien: Kreuzotter (Vipera berus), Bergeidechse (Lacerta viviparis), Knoblauchkröte (Pelobates fuscus), Laubfrosch (Hyla arborea), Grasfrosch (Rana temporaria), Balkan-Moorfrosch (Rana arvalis) u.a.

Brutvögel: Schnatterente (Ansa querquedula), Weißstorch (Ciconia ciconia), Feldlerche (Alauda arvensis), Rohrweihe (Circus aeruginosus), Bekassine (Gallinago gallinago), Wiesenpieper (Anthus pratensis), Feldschwirl (Locustella naevia), Rohrschwirl (Locustella fluviatilis), Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus), *Zwergrohrdommel (Ixobrychus minutus), *Wachtelkönig (Crex crex), *Wespenbussard (Pernis apivoris), *Neuntöter (Lanius collurio), *Eisvogel (Alcedo atthis), *Blaukehlchen (Luscinia svecica) u.a.

* Brutvorkommen von Anhang I-Arten der EU-Vogelschutzrichtlinie

Nahrungsgäste, Durchzügler und Überwinterer: Schwarzstorch (Ciconia nigra), Wespenbussard (Pernis apivoris), Schwarzmilan (Milvus migrans) u.a.

An den Waldviertler Teichen findet man national bedeutende Brutbestände von Zwergrohrdommel (Ixobrychus minutus: 2-5% des national bedeutenden Brutbestandes), Wachtelkönig (Crex crex: 2-5%) und Knäkente (3-10).

Zuständige Verwaltung/Information/Links/Literatur

Am 28. April 2004 wurde das neu gebaute "Ramsar-Zentrum Waldviertel" in Schrems feierlich eröffnet (Prädikat: Besonders sehenswert!!!). 
Informationen über die Wald-, Moor- und Flusslandschaft des Waldviertels sind u.a. bei folgenden Stellen erhältlich. Im Anschluss an diese Adressen finden sie Links über interessante Internet-Seiten sowie Buchtipps!

Amt der Niederösterreichischen Landesregierung
Abteilung Naturschutz
Dr. Erwin Neumeister
Landhausplatz 1
A-3109 St. Pölten
Tel. ++43 (0) 2742 - 9005 DW 15235
http://www.noe.gv.at/

WWF Waldviertel
Mag. Michaela Bodner
Stadtplatz 23
A-3943 Schrems
Tel.: ++43 (0) 2853 - 76334
Ramsar-Zentrum Naturpark Schrems http://www.unterwasserreich.at


Links

http://www.unterwasserreich.at
http://www.wwf.at WWF Österreich
http://www.naturparke.at/ Naturparke in Österreich


Buchtipp
 
Jungmeier, M. & Werner, K. (2004):
Moore in Österreich unter dem Schutz der Ramsar-Konvention.
Neuer Wissenschaftlicher Verlag GmbH Wien, Graz.
 
Literaturauswahl

Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie (1999):
Österreichs LIFE-Natur-Projekte 1995-1999.
Broschüre. Wien. Vergriffen!

Dvorak, M. & Karner, E. (1995):
Important Bird Areas in Österreich.
Monographie des Umweltbundesamtes Bd. 71: 220-225.

Dvorak, M.; Winkler, I.; Grabmayer, Ch. & Steiner, E. (1994):
Stillgewässer Österreichs als Brutgebiete für Wasservögel.
Monographien Bd. 18. Umweltbundesamt, Wien: 193-230.

Paar, M.; Schramayr, G.; Tiefenbach, M. & Winkler, I. (1993):
Naturschutzgebiete Österreichs. Burgenland, Niederösterreich, Wien.
Monographie des Umweltbundesamtes, Bd. 1: 110-115, 129-131.

Steiner, G. M. (1992):
Österreichischer Moorschutzkatalog.
Grüne Reihe des BMUJF, Bd. 1: 509 S.

Wandaller, E. & Manhart, D. (1999):
Universum vor der Haustür. Die außergewöhnlichen Naturschätze des Raumes Gmünd.
Landesverlag, St. Pölten, Linz, Wien: 191 S.

WWF Forschungsbericht (1998):
Natura 2000 im Waldviertel. Faunistische Erhebungen und Managementpläne im Rahmen eines LIFE Projektes.
Heft 15 des Forschungsinstitutes WWF Österreich. Wien.

WWF Österreich (1999) Hrsg.:
Ramsar-Zentrum Waldviertel. Naturschutz als integrierter Bestandteil einer grenzüberschreitenden Regionalentwicklung.
Broschüre. Wien: 26 S.

Veröffentlicht am 18.10.2011