Flussperlmuschel (Margeritifera margeritifera)

Die ältesten Flussperlmuscheln haben die Kriege Napoleons miterlebt. Die Bewohner unserer heimischen Gewässer können bis zu 280 Jahre alt werden.

So selten wie Perlen

Trotz ihres langen Lebens ist die Flussperlmuschel in Österreich stark gefährdet. Die 16 Zentimeter großen Muscheln sorgen nicht für den großen Perlenschatz. Nur eine von 2.000 Muscheln produziert eine Perle. Warum sie das tut, ist noch nicht genau erforscht. Die Flussperlmuschel gilt jedoch als Indikator für eine andere Art des Reichtums. Sie kommt nur in Gewässern mit sehr hoher Wasserqualität vor.

Kalk- und nährstoffarme, kalte und sauerstoffreiche Bäche und Flüsse gehören zum Habitat der Muscheln. Zu ihrer Nahrung gehören tierische und pflanzliche Schwebstoffe. Um „satt“ zu werden filtern die Muscheln bis zu 200 Liter Wasser täglich. In Österreich kann man die seltene Tierart nur mehr im Mühlviertel finden, doch auch dort sind die Restbestände schon veraltet und extrem klein.

Viel Zeit für Nachwuchs

Eine weitere Besonderheit der Flussperlmuschel ist ihre Fortpflanzung. Das Weibchen nimmt zunächst aus dem Atemwasser Spermien auf. Anschließend brütet es in den Kiemen eine Vielzahl Muschellarven (Glochidien) aus, welche nach der Reife millionenfach ins Wasser abgegeben werden. Diese Larven werden von Bachforellen aufgenommen, wo sie sich an den Kiemen festsetzen und parasitisch von Blut und Körperflüssigkeit des Wirtsfisches leben. Als Wirt ist nur die Bachforelle geeignet und keine andere Fischart. Nach Monaten fallen sie dann von der Forelle ab und ziehen sich mehrere Jahre in das Lückensystem der Bachsohle zurück. Erst dann kommt eine kleine Flussperlmuschel an die Oberfläche. Da die Muscheln erst mit 15 Jahren geschlechtsreif sind, dauert der gesamte Fortpflanzungsprozess sehr lange und ist daher anfälliger für Störungen. Die Entwicklung in den Kiemen der  Bachforelle wird durch die Verdrängung durch die Regenbogenforelle, die als Wirt nicht geeignet ist, zusätzlich erschwert. Nach der Rodung von zwei Fichtenmonokulturen wurden durch die Neuanlage des Mühlbaches und die Einbindung des Sagbaches die Angebote zum Ablaichen für die Fischfauna entscheidend verbessert.

Lebensraum für die Flussperlmuschel

Zusammen mit der renovierten Berdetschläger Bauernmühle am Rande der Torf-Au ist durch das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ÖNJ Haslach eine Kulturlandschaft der besonderen Art erhalten geblieben. Hier fühlen sich neben der Flussperlmuschel und den Bachforellen auch noch Biber, Fischotter, Heuschrecken, Schmetterlinge und Zikaden wohl. Seit 2006 ist die Torf-Au Naturschutzgebiet und zählt seit 2010 zu den Schlüssellebensräumen des Europaschutzgebietes „Böhmerwald und Mühltäler“. Schöne und ökologisch intakte Landschaften wie die Torf-Au stehen auf der Wunschliste unserer Gesellschaft ganz oben. Bei unseren Wanderungen werden hier Naturerfahrung und Artenreichtum mit allen Sinnen erlebbar gemacht.

Die neuesten Entwicklungen im Lebensraum

Die günstige Witterung hat die Einbringung der Struktursteine in die Große Mühl und die ökologische Ausgestaltung des Mühlbaches im Spätsommer 2013 optimal ermöglicht: In die Große Mühl konnten 51 Störsteine (mehr als geplant) mit einem Gewicht von jeweils ca. 2-5 Tonnen zur Verbesserung des Lebensraumes für die Flussperlmuschel sowie der örtlichen Fischfauna eingebaut werden. Während und kurz nach den Baggereinsätzen wurden bereits erste Erfolge verbucht: Die Gebirgsstelzen und die Wasseramseln habe die Steine bereits als Sitzwarten angenommen. Weiters hat sich Dr. Christoph Hauer von der BOKU Wien von den Maßnahmen begeistert gezeigt. Er erwartet sich für die Zukunft in diesem Gewässerabschnitt optimale Entwicklungsbedingungen durch wichtige Sohlumstrukturierungen. In den neuen Mühlbach konnten ebenfalls zahlreiche Störsteine (Foto) zur Strukturierung des Gerinnes eingebracht werden. Die führt zu einer Verbesserung der Einstandmöglichkeiten von Jungforellen. Weiters ist damit der Grundstein für einen zukünftigen Lebensraum von Jungmuscheln in der Torf-Au gelegt.

Veröffentlicht am 19.09.2017, Nachhaltige Entwicklung und natürliche Ressourcen (Abteilung III/2)