Wir feiern das „Nein“ zum Atomkraftwerk Zwentendorf vor 40 Jahren

Wir feiern mit dem 40-jährigen Jubiläum der Volksabstimmung am 5. November 1978 über das Atomkraftwerk Zwentendorf ein Stück österreichische Zeitgeschichte. Es ist das einzige Atomkraftwerk der Welt, das komplett fertiggebaut wurde aber nie in Betrieb ging. Das „Nein“ zu Zwentendorf war auch ein wichtiges erstes lautes Lebenszeichen der entstehenden Umweltbewegung in Österreich.

Vor 40 Jahren, am 5. November 1978, fand in Österreich die Volksabstimmung über die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks Zwentendorf statt. 1,606.308 Menschen, das waren 50,47 Prozent der abgegebenen Stimmen, sprachen sich gegen eine Inbetriebnahme aus (1,576.839 Menschen stimmten für die Inbetriebnahme). In der Zeit zwischen 1972 (der Spatenstich für das KKW erfolgte im April 1972) und der Volksabstimmung im Jahr 1978 formierte sich - erstmals in Österreich - eine breite zivilgesell­schaftliche Bewegung gegen das Atomkraftwerk. Historisch betrachtet können diese Ereignisse als Grundstein und Ausgangspunkt für die inzwischen in der Bevölkerung fest verankerte Anti-Atom-Haltung Österreichs gesehen werden.

Bereits wenige Monate später, im März 1979 ereignete sich ein “ernster Unfall” (INES-5) im KKW Three Mile Island in den Vereinigten Staaten. Dies hat ihr Abstimmungsverhalten für viele Bürgerinnen und Bürger nachträglich bestätigt. Die stille Liquidierung des Atomkraftwerks Zwentendorf erfolgte jedoch erst 1985. Weitere Ereignisse in den Folgejahren wie die Katastrophe im KKW Tschernobyl (1986) und die als Bedrohung wahrgenommenen KKW in der unmittelbaren Nachbarschaft Österreichs haben zu einer hohen Bedeutung des Themas für die österreichische Bevölkerung beige­tragen. Der gesellschaftliche und parteipolitische Konsens wurde schließlich im Jahr 1999 durch den einstimmigen Beschluss des Nationalrates, das Atomsperrgesetz als Bundesver­fassungsgesetz für ein atomfreies Österreich in den Verfassungsrang zu heben, dokumentiert.

Seit 2005 befindet sich das Atomkraftwerk Zwentendorf im alleinigen Besitz der EVN. Heute ist das Atomkraftwerk Zwentendorf eine Besucherattraktion mit rund 15.000 Besucherinnen und Besucher pro Jahr. Im Kraftwerks-Areal an der Donau sind zahlreiche geschützte Tier- und Pflanzenarten heimisch. Die Kraftwerks- und Turbinenhallen werden von Technikerinnen und Technikern als Trainingszentrum genutzt. Und das Kraftwerk liefert nun doch Strom - 100% ökologischen Strom aus Sonnenkraft. Außerdem wird das Atomkraftwerk mit seinen rund 1000 Räumen und seiner technischen Ausstattung als Trainingszentrum für Atomkraftwerksmitarbeiter genutzt. In Zwentendorf sind Bereiche zugänglich, die ansonsten für Menschen aufgrund der hohen Radioaktivität nur mit besonderen Sicherheitsvorkehrungen begehbar sind. Außerdem finden im Kraftwerk Konzerte statt und es wurden dort auch schon Filme gedreht (Fernsehfilm „Restrisiko“, französisch-österreichischer Kinofilm „RZ2 – Grand Central“).

Aktuell unterstreicht u.a. die rege Beteiligung der Bevölkerung bei grenzüberschreitenden UVP-Verfahren die Relevanz des Themas. Beispielsweise wurden im Rahmen des grenzüberschreitenden UVP-Verfahrens zum Ausbau des Atomkraftwerks Dukovany in der Tschechischen Republik insgesamt mehr als 78.000 Stellungnahmen eingebracht und an die Tschechische Republik zur Berücksichtigung im weiteren Verfahren übermittelt. Dieses Engagement der Bevölkerung ist – auch angesichts der nach wie vor exponierten Position Österreichs – als wichtige Unterstützung der Anti-Atompolitik der Bundesregierung zu werten.

Aufgrund der Bedeutung der Zwentendorf-Volksabstimmung für die österreichische Anti-Atomkraft-Politik wird vom BMNT außerdem ein Gewinnspiel auf Facebook jede Woche im November durchgeführt. Gewinnpreis ist jeweils eine Gedenkmünze Gold-Jahresausgabe 2018 ''40 Jahre Volksabstimmung Zwentendorf''.

 

 

 

Veröffentlicht am 30.10.2018, Allgemeine Koordination von Nuklearangelegenheiten (Abteilung I/6)