Gerüstet für den Notfall

Notfallmanagement – Rechtliche Grundlagen und wichtige Dokumente

 

Rechtliche Grundlagen für eine effiziente Durchführung von Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung bilden das Strahlenschutzgesetz und die Interventionsverordnung.

Die Zuständigkeiten im Fall einer radiologischen Notstandssituation sind auf Bund und Länder aufgeteilt. Das BMNT hat im Fall einer radiologischen Notstandssituation die Lage zu evaluieren und unter Mitwirkung der BMSG Maßnahmen zu empfehlen. Der Landeshauptmann hat auf Basis der Empfehlungen des Bundes die erforderlichen Maßnahmen durchzuführen.

Die „Verordnung über Interventionen bei radiologischen Notstandssituationen und bei dauerhaften Strahlenexpositionen" enthält wesentliche Regelungen für Schutzmaßnahmen bei Ereignissen wie Kernkraftwerksunfällen, Transportunfällen mit Strahlenquellen oder auch Terrorszenarien mit radioaktiven Stoffen.
 
Zentrale Punkte der Verordnung sind:

  • die Festlegung von Interventionsrichtwerten, bei deren Erreichen spezielle Schutzmaßnahmen in Betracht zu ziehen sind wie z.B. Aufenthalt in Gebäuden und Iodblockade
  • Zusammenstellung von Schutzmaßnahmen
  • Regelungen für die Erstellung von Interventionsplänen auf gesamtstaatlicher- und auf Landesebene
  • Bestimmungen über die Information der Bevölkerung im Anlassfall
  • Festlegung für die Ausbildung und Ausrüstung bzw. für die physikalische und ärztliche Überwachung von „Interventionspersonal“, das im Anlassfall die Schutzmaßnahmen durchführt
  • Dosisrichtwerte für das Interventionspersonal

 

Interventionsrichtwerte:

Richtwerte legen fest, bei welcher zu erwartenden Strahlenbelastung Maßnahmen wie „Aufenthalt in den Gebäuden“, „Iodblockade“, „Evakuierung“ und „Umsiedlung“ zu ergreifen sind. Als zusätzliche Sicherheit wurden die Richtwerte für Kinder und Jugendliche, sowie für ungeborene Kinder niederer als für Erwachsene angelegt.

 

Maßnahmenkatalog:

Der Maßnahmenkatalog behandelt alle Schutzmaßnahmen, die im Falle einer großräumigen Kontamination mit möglichen radiologischen Auswirkungen auf Österreich in Betracht zu ziehen sind. Der Katalog ist eine Arbeitshilfe für die zuständige Behörde bei der Entscheidung, welche Schutzmaßnahmen empfohlen bzw. welche behördlichen Maßnahmen gesetzt werden.

Neben einer allgemeinen Maßnahmenbeschreibung enthält das Dokument ausführliche Hintergrundinformation zu den einzelnen Maßnahmen wie die Wirksamkeit, die Durchführbarkeit und negative Nebenwirkungen (zB soziale Auswirkungen). Der Aufbau des Maßnahmenkatalogs berücksichtigt die verschiedenen Phasen, die üblicherweise bei Kernkraftwerksunfällen auftreten (Vorwarnphase, Kontaminierungsphase, Zwischen- und Spätphase).

Das Dokument wurde in Zusammenarbeit mit dem BMSG erarbeitet und in einer Arbeitsgruppe mit Vertretern der Bundesländer sowie weiteren betroffenen Behörden und Organisationen überarbeitet.

 

Interventionspläne:

Notfallpläne auf Bundes- und Landesebene enthalten die konkreten Ablaufpläne für die Umsetzung der geplanten Maßnahmen im Ernstfall. Entsprechend den Vorgaben der Interventionsverordnung werden die  Interventionspläne des Bundes regelmäßig aktualisiert. Zentrale Inhalte des gesamtstaatlichen Interventionsplans bilden technische Beschreibungen der möglichen Szenarien, die Festlegung der Abläufe im Anlassfall, die Meldewege und die Zuständigkeiten.

 

Probenahmeplan:

In einem Anlassfall muss die radiologische Situation möglichst rasch erfasst werden, um entsprechende Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung empfehlen zu können. Messungen vor Ort und die Auswertung von Proben bilden dafür eine wichtige Grundlage. Ziel der Probenahmepläne ist eine Harmonisierung der Mess- und Probenahmekonzepte, um österreichweit vergleichbare Daten als Grundlage für Maßnahmenentscheidungen zu erhalten.

Das Dokument „Organisation und Durchführung der Probenahme bei großräumiger radioaktiver Kontamination“ beschreibt die Bereiche Probenahmeauftrag, Probenahme, Probenvorbereitung, Messung und Datenübermittlung für diverse Umweltmedien sowie Lebens- und Futtermittel.

Im Dokument „Messungen vor Ort und Probenahmen bei kleinräumigen radiologischen Ereignissen“ wird auf die besonderen Gegebenheiten bei kleinräumigen radiologischen Ereignissen eingegangen. Neben den für einen solchen Fall angepassten Konzepten der Probenahme werden auch Messungen vor Ort behandelt.

Der Probenahmeplan für großräumige radioaktive Kontaminationen wurde von einer Arbeitsgruppe des staatlichen Krisenmanagements unter Beteiligung von Bundes- und Ländervertretern ausgearbeitet und 2010 aktualisiert. Im Anschluss an die Überarbeitung wurde das Dokument für kleinräumige radiologische Ereignisse erstellt.

 

Leitlinie Medizinische Diagnostik und Therapie im radiologischen Notfall:

Die Leitlinie wurde im Auftrag des BMNT als Unterstützung der Strahlenschutzbehörden der Bundesländer und des Bundes ausgearbeitet. Die Leitlinie fasst den aktuellen Stand der Wissenschaft und Technik zur medizinischen Diagnostik und Therapie für Personen, die in einem radiologischen Notfall höher exponiert wurden, zusammen.

 

Information der Öffentlichkeit:

Das BMNT hat die Verpflichtung, die Öffentlichkeit zur Vorbereitung auf einen radiologischen Notfall und bei Eintreten eines radiologischen Notfalls zu informieren.

 

Notfallübungen

Um die Interventionspläne zu testen und zu "beüben", werden regelmäßig Notfallübungen von den zuständigen Behörden und beteiligten Organisationen durchgeführt.

 

Zuständige Behörden:

 

BMNT

  • internationale Meldungen

  • Lagebewertung im Notfall

  • Festlegung Schutzmaßnahmen unter Mitwirkung des BMG

  • Information der Öffentlichkeit (insb. Schutzmaßnahmen)

BMSG

  • Mitwirkung an Festlegung von Schutzmaßnahmen

  • Überwachung Lebensmittel

  • Vorverteilung Iodtabletten

BMI (EKC)

  • Kontaktstelle und Informationsdrehscheibe

SKKM

  • Abstimmung (Schutzmaßnahmen, Information der Öffentlichkeit)

Bundesländer

  • Umsetzung Schutzmaßnahmen

 

 

 

Veröffentlicht am 07.01.2019, Strahlenschutz (Abteilung I/7)