Radioaktiver Abfall in Österreich

Radioaktiver Abfall ist radioaktives Material, das nicht mehr weiterverwendet werden kann.

Art und Menge radioaktiven Abfalls in Österreich

Der Hauptteil des radioaktiven Abfalls in Österreich stammt aus Anwendungen in Medizin, Industrie und Forschung. Beispiele für solche Anwendungen sind die Bestrahlung von Patienten zur Diagnose oder für Strahlentherapien, sowie der Einsatz von radioaktiven Stoffen in Messgeräten und Analysenverfahren. Pro Jahr fallen durchschnittlich 15 Tonnen radioaktiver Rohabfall aus Medizin, Industrie und Forschung an, dazu kommen noch kleinere Mengen aus der Dekontaminierung und dem Rückbau von Altanlagen und Einrichtungen (Dekommissionierung).

 

Der gesamte radioaktive Abfall in Österreich wird als „schwach- und mittelradioaktiv“ klassifiziert. Da in Österreich gemäß der verfassungsgesetzlichen Bestimmung keine Kernkraftwerke betrieben werden, gibt es weder hoch radioaktiven Abfall noch abgebrannte Brennelemente zu entsorgen.

Die Brennelemente aus Österreichs einzigem Forschungsreaktor müssen nach der Verwendung wieder zurück in die USA zum Hersteller zurückgegeben werden und dürfen daher nicht Österreich verbleiben.

 

Hintergrund: Radioaktive Abfälle werden in schwach-, mittel und hochradioaktive, sowie in kurz- und langlebige Abfälle eingeteilt. Die öffentliche Diskussion ist durch die Endlagerung von hochradioaktiven Spaltprodukten aus der Kernenergienutzung geprägt, da Brennstäbe stark strahlen und mit einer Temperatur von rund 300 Grad Celsius schwierig zu lagern sind.

 

 

Grundsätze für die Entsorgung von radioaktivem Abfall

Strahlenschutzgrundprinzipien:

Für den verantwortungsvollen Umgang mit dem in Österreich anfallenden radioaktiven Abfall gelten international festgelegte Grundsätze:

  • Ein Grundprinzip ist die Vermeidung und Minimierung. Dies ist aufgrund ökologischer und sicherheitsrelevanter Überlegungen sowie nicht zuletzt auch aus wirtschaftlichen Gründen anzustreben.
  • Mensch und Umwelt müssen nachhaltig vor radioaktivem Abfall geschützt werden.
  • Die Sicherheitsmaßnahmen sind je nach Risikograd festzulegen.
  • Bei allen Schritten der Entsorgung radioaktiver Abfälle kommt ein faktengestützter und dokumentierter Entscheidungsprozess zur Anwendung.
  • Die Kosten für die Entsorgung des radioaktiven Abfalls werden nach dem Verursacherprinzip gedeckt. Unternehmen und Organisationen, bei denen radioaktiver Abfall anfällt müssen für die Aufarbeitung, Zwischen- und spätere Endlagerung aufkommen.

Die folgenden Grundsätze gelten speziell für Länder wie Österreich:

  • Wenn in Ländern wenig radioaktiver Abfall anfällt, ist auch die Möglichkeit einer europäischen oder internationalen Kooperation in Betracht zu ziehen.
  • Die Nuclear Engineering Seibersdorf GmbH (NES) ist von der Republik Österreich mit der Behandlung des in Österreich anfallenden radioaktiven Abfalls beauftragt.
  • Bis zu einer Entscheidung über die Endlagerung wird der radioaktive Abfall bei der NES zwischengelagert. Dies ist bis zum Jahr 2045 vertraglich fixiert.
  • Die Republik Österreich hat die Letztverantwortung für die sichere Entsorgung des anfallenden radioaktiven Abfalls.

 

BMNT als Aufsichtsbehörde:

Die Entsorgung von radioaktivem Abfall darf in Österreich ausschließlich in einer vom BMNT beauftragten Entsorgungsanlage erfolgen. Diese Aufgabe erfüllt die Nuclear Engineering Seibersdorf GmbH (NES). Dabei sind die grundlegenden Prinzipien einer sicheren Entsorgung von radioaktivem Abfall, wie das Minimierungsprinzip oder das Verursacherprinzip einzuhalten.

Die Aufsicht sowie die behördliche Überprüfung aller Anlagen und Einrichtungen der NES wird regelmäßig durch das BMNT durchgeführt.

Veröffentlicht am 25.01.2019, Strahlenschutz (Abteilung I/7)