Der Edelkrebs ist Fisch des Jahrs 2019

Der „Fisch“ des Jahres 2019 in Österreich ist der Edelkrebs: Was ist denn da passiert, werden Sie sich womöglich fragen. Wie kann der Edelkrebs, als eindeutig wirbelloser Vertreter der Crustacea zum FISCH des Jahres gewählt werden? 

In Österreich zählen die Decapoden (zehnfüssigen) Krebse neben Neunaugen, Großmuscheln und Fischen eben zu den Wassertieren im Sinne der Fischereigesetze. Den Landesfischereiverbänden war es wichtig, neben den drei für die Internet-Wahl nominierten Fischarten (Koppe, Barbe, Zander) auch dem Edelkrebs eine Chance zu geben.

Der Edelkrebs (Astacus astacus L.) ist mit einer Länge von bis zu 20 cm der größte heimische Vertreter und war vor dem Ausbruch der Krebspest in Europa und Österreich weit verbreitet und in Gewässertypen wie Seen und Flüssen beheimatet. Durch die Veränderung seines Lebensraumes, durch das Auftreten der Krebspest und aufgrund direkter Verdrängung durch eingesetzte, nicht heimische Krebsarten ist er heute weitgehend verschwunden. Er zählt zu den gefährdeten heimischen Tieren und wird nach der aktuellen Roten Liste der gefährdeten Tiere Österreichs als „stark gefährdet“ eingestuft. Naturbelassene, strukturreiche Gewässer der Äschen- und Barbenregion sind sein Lebensraum, er nutzt aber auch Seen, Stauräume und Teiche. Erstaunlich unempfindlich ist er gegenüber organischer Belastung, empfindlich reagiert er auf chemische Verschmutzung aus Industrie und Gewerbe. Das Heimatgewässer muss im Sommer zumindest eine Temperatur von 15 °C erreichen. Der Edelkrebs ist ein nachtaktiver Allesfresser, weshalb er in der Regel tagsüber kaum gesichtet wird. Neben pflanzlicher und tierischer Nahrung ernährt er sich auch von verletzten, kranken oder frisch gestorbenen Fischen und Fröschen. Deswegen nimmt er eine wichtige Rolle im Ökosystem ein und gilt somit als eine Art „Gewässerpolizei“.

Da Krebse einen festen Außenpanzer besitzen, müssen sie sich häuten, um an Größe und Volumen zuzunehmen. Der alte, äußere Panzer wird abgestreift, unter dem ist der neue bereits angelegt. Anfänglich ist dieser noch weich, damit sich der Krebs noch ausdehnen, und damit wachsen kann. Während dieser rund 3 Tage dauernden Zeit nennt man ihn Butterkrebs – ein Hinweis auf die Weichheit des Panzers.

Die Geschlechtsreife erreicht der Edelkrebs im dritten oder vierten Lebensjahr. Die Paarung ist im Oktober und November bei 12 °C Wassertemperatur. Zu dieser Zeit werden die Krebse tagaktiv. Das Weibchen betreibt Eipflege und der Schlupf erfolgt im Juni. Anfänglich bleiben sie noch einige Tage bei der Mutter, um nach ihrer zweiten Häutung selbständig ihr Leben zu bestreiten.

Krebse waren schon immer eine beliebte Eiweißquelle für den Menschen, sie kamen in hohen Dichten vor, waren leicht zu fangen und man konnte sie einfach über weite Strecken transportieren. Es gab in Wien bei der heutigen Schwedenbrücke einen eigenen Krebsrichter, der die Zulieferung auf tote und kranke Krebse untersuchte, bevor sie auf dem Krebsmarkt zum Verkauf kamen. Noch im Jahr 1900 lieferte die österreichisch-ungarische Monarchie 378 Tonnen Krebse nach Deutschland und ebenso viele nach Paris.

Daniela Latzer (2018): Salzburgs Fischerei, 29. Jahrgang Heft 4 Dezember 2018, adaptiert

Veröffentlicht am 12.02.2019, Nationale und internationale Wasserwirtschaft (Abteilung I/3)