Planungen für Hochwasserschutz und Ökologie

Die ökologische Ausrichtung des Hochwasserschutzes ist aktueller denn je. Gewässerentwicklungs- und Risikomanagementkonzepte der Bundeswasserbauverwaltung sollen die Planungsgrundlagen dazu liefern.

Unsere Bäche und Flüsse unterliegen einer Vielzahl von Belastungen durch unterschiedliche Nutzungen. Insgesamt weisen derzeit nur 39 % der Fließgewässer einen sehr guten oder guten ökologischen Zustand / Potential auf, 61 % verfehlen die Umweltziele der Wasserrahmenrichtlinie. Ursache dafür sind überwiegend Eingriffe in die Gewässerstrukturen und Abflussverhältnisse durch Wasserkraftwerke oder Hochwasserschutzbauten.

Im Lichte der Umsetzung des Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplans (NGP) ist die ökologische Ausrichtung des Wasserbaues aktueller denn je. Bäche und Flüsse sollen natürliche Lebensräume in einer vielfältigen Kulturlandschaft sein. Es wird eine langfristige Aufgabe sein, den als Ziel vorgegebenen guten ökologischen Zustand bzw. das gute ökologische Potentials für alle Gewässer in Österreich zu erreichen. Gerade deshalb müssen die Grundsätze des ökologischen Hochwasserschutzes, die im Rahmen der Bundeswasserbauverwaltung entwickelt und erprobt wurden, bei allen Planungen und Maßnahmen konsequent umgesetzt werden.

Natürliche Gewässerentwicklung bedeutet: mehr Raum für die Flüsse

Die Siedlungs- und Wirtschaftsentwicklung hat in den letzten Jahrzehnten zu einer starken Ausweitung der bebauten Gebiete in ganz Österreich geführt. Auch viele Flächen in Überflutungsgebieten und Gefahrenzonen an unseren Fließgewässern wurden verbaut. Ein Problem für die Schutzwasserwirtschaft, die diese Räume für einen gesicherten Abfluss des Hochwassers notwendig braucht. Die Hochwasserereignisse der letzten Jahre haben uns deutlich vor Augen geführt, welches Schadensausmaß daraus resultiert, und, dass der Hochwasserschutz mit technischen Maßnahmen allein nicht zu gewährleisten ist.

Deshalb setzt der moderne Hochwasserschutz noch stärker auf vorbeugende Maßnahmen. Und das bedeutet: Den Flüssen jenen Raum in der freien Landschaft geben, den sie für den Abfluss und den Rückhalt von Hochwässern brauchen. Die noch verbliebenen Hochwasserabflussgebiete und Retentionsräume werden jedenfalls künftig vom Schutzwasserbau gemeinsam mit der Raumplanung noch konsequenter als bisher von höherwertigen Nutzungen frei zu halten sein.

Den Flüssen mehr Raum zu geben, bringt aber auch Vorteile für die Ökologie: Schotterbänke und Steilufer, begleitende Ufergehölze und Auwälder sind wesentliche Elemente von strukturreichen, ökologisch intakten Flüssen. Unter Berücksichtigung eines angemessenen Hochwasserschutzes für die Anrainer wird daher versucht, auch bei bestehenden Hochwasserschutzanlagen einen guten ökologischen Gewässerzustand zu erreichen. Insbesondere die Durchgängigkeit der Fließgewässer für Fische und andere Wasserlebewesen soll verbessert werden.

Das neue GE-RM-Konzept

Zur koordinierten Umsetzung der Zielsetzungen des Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplanes (NGP) und des HW-Risikomanagementplanes (RMP) hat die Bundeswasserbauverwaltung das Gewässerentwicklungs- und Risikomanagementkonzept (GE-RM) als übergeordnete Planungsgrundlage in Flusseinzugsgebieten entwickelt, das folgende Planungsschritte umfasst:

  • Vorstudie: Konzeption der Planungsschritte, Abgrenzung der Bearbeitungsgebiete, Festlegung der Arbeitspakete;
  • Bestandsaufnahmen: Erhebung des Ist-Zustands, Darstellung und Analyse der wasserwirtschaftlichen und gewässerökologischen Verhältnisse;
  • Zieldefinitionen: Formulierung eines integrativen Leitbildes auf Basis von sektoralen Zielen für Hochwasserschutz und Ökologie, abgestimmt mit den Zielsetzungen von NGP und RMP;
  • Maßnahmenkonzept: Festlegung von Maßnahmen und Maßnahmenkombinationen, Handlungsschwerpunkten und Prioritäten, in Abstimmung mit den für NGP und RMP zuständigen Stellen;

Durch begleitende Öffentlichkeitsarbeit wird die Akzeptanz für die Planungen in der betroffenen Region verbessert. Im Sinne einer Erfolgskontrolle soll die Effizienz der Maßnahmen aus ökologischer und wasserwirtschaftlicher Sicht regelmäßig evaluiert werden. Ein fachlicher Leitfaden für die Gewässerentwicklungs- und Risikomanagementkonzepte (GE-RM-Leitfaden) steht zum Download zur Verfügung unter: https://www.bmlfuw.gv.at/wasser/wasser-oesterreich/foerderungen/foerd_hochwasserschutz/leitfaden_GE-RM.html

Stand der Planungen

Bis Ende 2015 wurden Gewässerentwicklungskonzepte (GEK) nach den bis dahin geltenden Richtlinien für ca. 2.000 km Fließgewässern erstellt. Zu den wichtigsten Bearbeitungen gehören die GEK an den Flüssen Alm, Bregenzerach, Dornbirner Ache, Drau, Gail, Glan, Gurk, Ill, Isel, Kainach, Krems (NÖ), Krems (OÖ), Lafnitz, Lammer, Lavant, Leitha, Mattig, Möll, Mur, Raab, Salzach, Strem, Thaya, Traisen, Traun und Ybbs.

Ausblick

Zur Umsetzung eines ökologisch ausgerichteten Hochwasserschutzes bedarf es einer übergeordneten und ganzheitlichen Planung auf Einzugsgebietsebene. Im Rahmen von GE-RM-Konzepten sollen künftig integrative Leitbilder und Maßnahmenkonzepte entwickelt werden, die sicherstellen, dass die Umsetzung von Maßnahmen, sowohl innerhalb der Bundeswasserbauverwaltung als auch in anderen Sektoren, in enger Abstimmung mit den in NGP und RMP festgelegten Zielen und Prioritäten erfolgen wird.

 

Veröffentlicht am 01.04.2014, Schutzwasserwirtschaft (Abteilung I/10)