Restwasserkraftwerk und Fischaufstiegshilfe in Greinsfurth

Seit 110 Jahren wird Amstetten durch das Wasserkraftwerk an der Ybbs mit Strom versorgt. Genauso lange war die Wasserstrecke im Ybbsknie für alle vorkommenden Fischarten durch die Wehranlage unüberwindlich vom Oberlauf getrennt.

Mehr als ein Jahrzehnt beschäftigte der Umbau der Wehranlage in Greinsfurth die STADTwerke Amstetten.

Am 16. September wurde das Bauwerk feierlich eröffnet und damit ein wichtiger Meilenstein zum Schutz unserer Umwelt gesetzt. Kernstück des Projekts sind der Einbau einer Restwasserturbine, die Fischaufstiegshilfe und eine umfassende Sanierung der Wehrunterseite. Ein wichtiger Aspekt bei diesem von der EU und dem Ministerium geförderten Projekt war es, die Gewässerstruktur im Unterlauf der Ybbs zu verbessern und den guten ökologischen Zustand wieder herzustellen. Mit derartigen Maßnahmen können die Gewässer wieder als Lebensraum für Mensch und Natur zurückgewonnen werden. Bis 2015 stellt das Ministerium für die Umsetzung von ökologischen Maßnahmen an Flüssen Euro 140 Mio. zur Verfügung.
 

„Da wir auch in unserem Leitbild den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur festgeschrieben haben, sind wir ganz besonders stolz darauf, dass uns alle beteiligten Experten eine wesentliche Verbesserung des ökologischen Zustandes der Ybbs durch dieses Projekt bescheinigen“, so Dir. Robert Simmer von den STADTwerken Amstetten. „Damit erfüllen wir bestmöglich die Anforderungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie, die künftig strenge Auflagen zum Beispiel für die Abgabe von Restwasser oder die Durchgängigkeit für Fische und Kleinstlebewesen vorschreibt.“ War früher die Restwasserstrecke der Ybbs bis zur Urlmündung an rund 300 Tagen im Jahr beinahe trockengelegt, so werden künftig zwischen 1,8 und 7,5 Kubikmeter Restwasser abgegeben. Die Projektskosten in der Höhe von Euro 3,6 Mio. werden aus Mitteln der EU im Rahmen des Life+ Projekts „Mostviertel-Wachau" und durch die Umweltförderung des Ministeriums gefördert.

Fischaufstiegshilfe
Um die Fallhöhe von über acht Metern zwischen Ober- und Unterwasser überwinden zu können wurde ein Fischaufstieg mit 57 Becken von jeweils 2,2 mal 3 Metern in Form eines Schlitzpasses (Vertical-Slot) gebaut, der es sogar größeren Fischen wie dem Huchen ermöglichen soll, das Wehr zu passieren. Die Dotation des Fischaufstieges schwankt je nach Jahreszeit zwischen 290 - 500l/s. Diese Wassermengen sind unter anderem nötig, um eine starke Lockströmung im Bereich des Einstieges zu erreichen. Aber auch für andere Kleinstlebewesen – sogenannte Makrozoobenthos – ist der Aufstieg gedacht. Die Anlage ist eine der größten in Österreich. Der neue Wanderweg hat sich mittlerweile auch unter Fischen herumgesprochen, verschiedene Arten haben den neuen Aufstieg bereits nachweislich passiert. Die Errichtung des Fischaufstiegs wurde durch Förderungen der EU und des Ministeriums unterstützt.
 
Restwasserturbine
Pro Jahr werden durch das Kraftwerk Allersdorf rund 15 Gigawattstunden Strom erzeugt, was dem Bedarf von mehr als 4000 Haushalten entspricht. Um den durch die Restwasserabgabe verursachten Erzeugungsverlust bestmöglich ausgleichen zu können, wurde eine Restwasserturbine mit einer Leistung von 480 Kilowatt (rund 330 Haushalte) eingebaut. Die Kosten für diesen Projektteil belaufen sich auf ca. Euro 2,5 Mio. , rund 700.000 Euro werden aus der Ökostromförderung des Bundes und 50.000 Euro Kleinwasserkraftförderung aus Mitteln des Landes Niederösterreich beigesteuert. Die Restfinanzierung in der Höhe von rund Euro 1,75 Mio. erfolgt durch die STADTwerke Amstetten.


Sanierung der Wehranlage
Nach dem Abschluss der letzten Bauarbeiten erstrahlt auch das vollständig sanierte Wehr in neuem Glanz. Um die Nachhaltigkeit des Projekts noch zu unterstreichen wurde auch eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 4,2 kWp aufgestellt, die der Sonne im Tagesverlauf nachgeführt wird und somit den Stromertrag gegenüber herkömmlichen Anlagen nochmals steigert. 
 
„Hier ist ein wirklich ökologisch wertvolles Projekt entstanden, das der Natur wieder ein Stück zurückgibt“, bestätigte auch Bürgermeister Herbert Katzengruber.
 

Veröffentlicht am 20.02.2014, Siedlungswasserwirtschaft (Abteilung I/11)