Grundwasser, Poren-, Karst-, und Kluftgrundwasserleiter

Was verstehen wir unter Grundwasser, Grundwasserleiter und Typen von Grundwasserleitern?

Die Zuordnung zu den Grundwasserleitertypen ist eine wesentliche Grundlage für die Lage und Abgrenzung der Grundwasserkörper in Österreich. Jeder Grundwasserkörper wird einem der drei Typen zugeordnet.

Tritt eine Kombination auf, erfolgt die Zuordnung zum hydrogeologisch überwiegenden Typ. Zusätzlich werden auch die anderen Typen in die Beschreibung aufgenommen, sodass kein Informationsverlust entsteht.

Im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie 2000/60/EG gelten folgende Definitionen für die Begriffe Grundwasser bzw. Grundwasserleiter

Grundwasser

Als Grundwasser bezeichnet man alles unterirdische Wasser in der Sättigungszone, das in unmittelbarer Berührung mit dem Boden oder dem Untergrund steht.

Der Bereich zwischen der Erdoberfläche und der Grundwasseroberfläche, der nicht gänzlich mit Wasser ausgefüllt ist, wird dagegen ungesättigte Zone genannt.

Grundwasserleiter

Als Grundwasserleiter bezeichnet man eine unter der Oberfläche liegende Schicht oder Schichten von Felsen (Gesteinen) oder anderen geologischen Formationen mit hinreichender Porosität und Permeabilität (Durchlässigkeit), so dass entweder ein nennenswerter Grundwasserstrom oder die Entnahme erheblicher Grundwassermengen möglich ist.

3 Hydrogeologische Typen von Grundwasserleitern

Porengrundwasser

Als Porengrundwasser bezeichnet man Grundwasser in Locker- oder Festgesteinen, deren durchflusswirksame Hohlräume überwiegend aus Poren gebildet werden. Die Gewinnung erfolgt vor allem aus Brunnen. Typische Porengrundwasserleiter in Österreich finden sich insbesondere in großen Tal- und Beckenlandschaften wie beispielsweise dem Rheintal, Inntal, Jaunfeld, Leibnitzer Feld, Eferdinger Becken, Südliches Wiener Becken oder Seewinkel. Diese Grundwasservorkommen finden sich einerseits in den mehrschichtig aufgebauten Ablagerungsschutt (Schotter, Kiese, Sande) der Alpen und andererseits auch in den ehemaligen Meeressedimentablagerungen. Dabei sind Tiefen des gesamten Gesteinsverbandes von bis zu mehreren hundert Metern keine Seltenheit. Das Grundwasser kann wenige Jahre bis mehrere Tausend Jahre alt sein.

Kluftgrundwasser

Als Kluftgrundwasser bezeichnet man Grundwasser in geklüfteten, nicht verkarsteten Gesteinen, die Gewinnung erfolgt aus Quellen oder Brunnen. Typische Kluftgrundwasserleiter in Österreich sind z. B. die Kristallingesteine der Zentralalpen von Vorarlberg bis ins Burgenland sowie der Böhmischen Masse mit deren unterschiedlichen Schiefer- und Granitgesteinen mit sehr widerstandsfähigen Silikatmineralien. Die durch Gebirgsbildungsprozesse stark beanspruchten Festgesteine können aber teilweise so stark zerklüftet sein, dass sich darin zumindest genügend Platz für Versickerung von Niederschlagswasser und Wasserspeicherung für nutzbare Quellen zur Wasserversorgung ergibt. Im Unterschied zu den Wasservorkommen in den Poren- und Karstgrundwasserleitern sind diese Wasservorkommen aber viel weniger ergiebig.

Karstgrundwasser

Als Karstgrundwasser bezeichnet man Grundwasser in verkarsteten Gesteinen, die Gewinnung erfolgt überwiegend aus Quellen. Typische Karstgrundwasserleiter in Österreich sind die ausgedehnten Nördlichen und Südlichen Kalkalpen mit ihren Kalk- und Dolomitgesteinen (Karbonatgesteine). Dieser Gesteinstyp ist gegenüber den viel schwerer verwitterbaren und härteren Siliaktgesteinen der Kluftgrundwasserleiter viel anfälliger gegenüber Verwitterung, da sie im Wesentlichen aus ehemaligen Kalkschalen von Meerestieren (Riffe) aufgebaut sind.  Dafür können sich aber im Laufe von Jahrtausenden große Hohlräume als ideale Wasserspeicher bilden. Die Kalkalpen stellen deshalb auch die größten Wasserspeicher mit den größten bestehenden und auch zukünftigen Wasserressourcen dar. Beispielhaft wird die Stadt Wien angeführt, die mit der 1. und 2. Wiener Hochqellenleitung aus dem Hochschwab und Raxgebiet die gesamte Bevölkerung (1, 8 Mio. Einwohner)  mit hochwertigem Quellwasser versorgen kann.

Veröffentlicht am 21.05.2013, Kommunikation und Service (Abteilung Präs. 5)