Grundlagen für den Bau von Fischaufstiegshilfen (FAHs)

Ziel der Studie war es, das derzeitig verfügbare Wissen bezüglich Fischaufstiegshilfen zusammenzutragen, zu sichten sowie Erfahrungen und Daten bestehender Fischaufstiegsanlagen zu evaluieren.

Das Lebensministerium hat im September 2008 das Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement der Universität für Bodenkultur Wien (Univ. Prof. Dr. Schmutz) beauftragt,  mit einer  Expertengruppe („Arbeitsgruppe Fischaufstiegshilfen“) Grundlagen für einen österreichischen Leitfaden zum Bau von Fischaufstiegshilfen zu erarbeiten. Ziel war es, unter Einbindung weiterer österreichischer sowie ausländischer Experten und unter Berücksichtigung der aktuellen Diskussion und Festlegungen auf europäischer bzw. internationaler Ebene das derzeitige Wissen zusammenzutragen, zu sichten sowie Erfahrungen und Daten bestehender Fischaufstieganlagen zu evaluieren. Auf dieser Basis sollte die beauftragte Expertengruppe einen Vorschlag für die Dimensionierung von Fischaufstiegshilfen sowie sonstigen Rahmenbedingungen erstellen, die aus fachlicher Sicht von hoher Relevanz sind und gewährleisten, dass zukünftig gebaute Fischaufstiegshilfen bei Querbauwerken (Wasserkraftanlagen, flussbauliche Querbauwerke) mit hoher Wahrscheinlichkeit funktionsfähig sind.


Die vorliegende Studie soll dem Lebensministerium die Grundlagen liefern, einen Leitfaden für den Bau von Fischaufstiegshilfen zu erstellen, mit dem – unter Berücksichtigung des Standes der Technik – in Bezug auf die ökologische Durchgängigkeit die Erreichung und Erhaltung des typspezifischen guten ökologischen Zustandes bzw. guten ökologischen Potentials in unseren Gewässern auch langfristig und mit hoher Sicherheit sichergestellt werden kann. 
Der ggst. Grundlagenbericht hat sich daher zum Ziel gesetzt, jene Vorgaben und Bemessungswerte zu definieren, die im Hinblick auf das ökologische Kontinuum gemäß WRRL für die Einhaltung des guten ökologischen Zustandes bzw. guten ökologischen Potentials wesentlich sind. Im Sinne der WRRL ist dabei jedenfalls eine Fischpassage für weitgehend alle wanderwilligen Individuen und Altersstadien (ab 1+) der Leitfischarten und typischen Begleitfischarten entsprechend der aktuellen gewässertypspezifischen Leitbilder nach dem "Leitfaden zur Erhebung der biologischen Qualitätselemente, Teil A1 – Fische", sicherzustellen.


Die vorgeschlagenen Bemessungswerte werden umfassend erläutert und sind auf den Regelfall ausgerichtet, die Funktionsfähigkeit der FAH mit hoher Sicherheit zu gewährleisten. Im Anhang sind Berechnungsbeispiele der FAH-Dimensionierung für die einzelnen Fischregionen und FAH-Typen basierend auf der größenbestimmenden Fischart bzw. den hydraulischen Mindest- und Maximalbedingungen angeführt. Bei technisch oder ökologisch begründeten Sonderfällen (z. B. künstliche Gewässer, Kleingewässer < 1m³/s MQ, bestehende Wehre ohne die Möglichkeit einer optimalen Einstiegslage, abflussschwache Gewässer mit Großfischarten, an Grenzen von Fischregionen, …) können allerdings Abweichungen von den definierten technischen Grenzwerten und individuelle Lösungen erforderlich sein.


Das Lebensministerium wird auf Basis der vorliegenden Studie 2011 einen Entwurf des FAH-Leitfadens erstellen, der nach einer intensiven Begutachtung bis Jahresende finalisiert werden soll. 

Veröffentlicht am 18.12.2012, Nationale und internationale Wasserwirtschaft (Abteilung I/3)