Messen unter erschwerten Bedingungen

Die Schneedecke in den alpinen Gebieten war Ende Jänner 2019 außergewöhnlich hoch. Das Messnetz der Hydrographie liefert wertvolle Daten zur Beurteilung der Hochwassergefahr im Frühjahr und ist auch unter erschwerten Bedingungen zu betreiben.

Extreme Neuschneemengen im Alpenraum.

Vom 30. Dezember 2018 bis Mitte Jänner 2019 schneite bzw. regnete es von Vorarlberg bis in das niederösterreichische Mostviertel fast täglich. An den Messstellen der Hydrographie Österreichs beträgt die Niederschlagssumme der ersten 2 Wochen des Jahres 2019 - nördlich des Alpenhauptkammes - zwischen 200 und 400 mm. Das sind je nach Höhenlage ca. ein Fünftel bis ein Viertel der Jahresniederschlagssumme.

Hohe Lawinengefahr

Ab 500 bis 600 m über Adria fiel dieser Niederschlag hauptsächlich als Schnee und bildete, je nach Höhenlage und Windverfrachtung, eine Schneedecke von 200 bis 400 cm und mehr. Die außergewöhnlichen Neuschneemengen erhöhten die Lawinengefahr ist von Vorarlberg über Tirol und Salzburg, dem Salzkammergut, der Obersteiermark bis zum Semmering-Raxgebiet an einigen Tagen bis zur höchsten Stufe.

Unermüdlicher Einsatz der Hilfsorganisationen

Die Einsatzkräfte der Feuerwehren, der Lawinenwarnung, der Rettungsdienste, der Straßenverwaltungen, der Gemeinden und viele freiwilligen Helfer und Helferinnen leisteten hervorragende Arbeit um Verkehrsverbindungen befahrbar zu machen, die Lawinensituation zu beurteilen, die Schneelast auf den Dächern zu verringern und Menschen in Notlagen zu helfen.

Messdaten ohne Unterbrechungen sind wichtig für die Beurteilung der Hochwassergefahr im Frühjahr

Auch das Personal des Hydrographischen Dienstes war gefordert, das Funktionieren des hydrographischen Messnetzes auch unter extremsten Bedingungen zu gewährleisten, da jeder Datenausfall die Güte der Hochwasserprognose im Frühjahr beeinträchtigt. Wann und ob überhaupt eine Hochwassergefahr entsteht, hängt von vielen Faktoren ab und kann jetzt noch nicht vorhergesagt werden. Die Bodenfeuchte in den Tallagen im Salzburger Flachgau und im oberösterreichischen Innviertel ist bereits im Jänner ausgesprochen hoch und an den Gewässern im oberösterreichischen Innviertel erhöhte sich der Abfluss durch Niederschläge in flüssiger Form vom 10.1. bis 15.1.2019 auf einen einjährlichen Hochwasserwert. Die Wasserstände an den Seen im Salzburger Flachgau erreichten, für diese Jahreszeit unüblich, ein hohes Niveau und das nach der langen Niederwasserperiode vom Frühling bis in den Herbst des Jahres 2018.

Das Niederschlagsdefizit des Jahres 2018 in den schneereichen Gebieten Österreichs, ist mit den Niederschlägen in den ersten beiden Wochen des Jahres 2019 mehr als ausgeglichen worden.

Wie hoch ist das Hochwasserrisiko?

Allein die Schneeschmelze wird kein Jahrhunderthochwasser bewirken. Wenn die Lufttemperatur bis über 2000 m über Adria nicht über +15 °C ansteigt und es gleichzeitig regnet, ist ein außergewöhnliches Hochwasser (Jahrhunderthochwasser) an den größeren Flüssen – Inn, Salzach, Traun, Enns, Ybbs, Erlauf und Traisen – nicht zu erwarten. Erst aus der Kombination von höherer Lufttemperatur und großflächigem Niederschlag, ergibt sich ein Hochwasserrisiko. Um zeitgerecht vor Hochwasser zu warnen (www.ehyd.gv.at), betreibt der Hydrographische Dienst ein Messnetz und berechnet mit den Niederschlagsprognosen der ZAMG permanent den Abfluss an den Gewässern Österreichs .

Abflussprognosen und im Hochwasserfall Warnungen gibt es auf den Internetseiten der Hydrographischen Landesdienste und zusammengefasst auf der BMNT – Seite http://pegel-aktuell.lfrz.at/ bzw. www.ehyd.gv.at.

Auch unter erschwerten Bedingungen ist der Betrieb des hydrographischen Messnetzes aufrecht zu halten um Datenausfälle zu vermeiden. Zur Beobachtung und zur Einschätzung der Hochwassergefahr sind die Daten - Niederschlagssummen, Schneehöhe und Schneewasserwert, Durchfluss - unerlässlich. Zu vielen Messstellen musste der Zugang freigelegt und die Messgeräte von der Schneelast "befreit" werden.  

Veröffentlicht am 25.02.2019, Wasserhaushalt (Abteilung I/4)