Das hydrologische Jahr 2018: Trockenheit, Unwetter, ein Herbst- und ein Weihnachtshochwasser

Im Jahr 2018 blieb die Jahresniederschlagsumme um etwas mehr als 10 Prozent unter dem vieljährigen Vergleichswert. Dabei war die räumliche und zeitliche Niederschlagsverteilung sehr unterschiedlich. Wenn es regnete, dann waren es überwiegend kleinräumige Unwetterereignisse mit lokal sehr unterschiedlichen Niederschlagssummen. Vor allem im Sommer und im Herbst blieben die Abflüsse an vielen Gewässern Österreichs im Niederwasserbereich.

Hochdruckgebiete über Nordosteuropa verhindern bis zum Herbst längere Niederschlagsperioden.

Es waren vor allem Hochdruckgebiete über dem Schwarzen Meer die den Vorstoß west-zyklonaler, feuchter Luftmassen aus Nordwesteuropa verhinderten. Von Mai bis November bestimmte diese Luftdruckverteilung über Mitteleuropa das Wettergeschehen und verhinderte die Entwicklung längerer Niederschlagsperioden an der Nordseite des Alpenhauptkammes.

Hitze erhöht die Verdunstung

Dazu kam, dass es seit April in ganz Österreich überdurchschnittlich warm war. Mit der überdurchschnittlichen Temperatur erhöht sich die Verdunstung, solange Bodenfeuchtigkeit zur Verfügung steht.

Vor allem nördlich des Alpenhauptkammes regnet es bis November wenig.

Österreichweit regnete es im April, Juli und November mit einer Abweichung von mehr als minus 40 Prozent am wenigsten. Von Februar bis November wurde in Vorarlberg, im Salzburger Flachgau und im Mühlviertel der Mittelwert der Niederschlagsmonatssummen (Vergleichsperiode 1981 bis 2010) nie erreicht. In Vorarlberg, in Tirol und in Teilen Salzburgs regnete es im November fast überhaupt nicht. Erst die Niederschlagsperiode im letzten Dezemberdrittel verbesserte die Jahresbilanz im Westen und nördlich des Alpenhauptkammes bis in den Osten Österreichs. Auf die Fläche Österreichs bezogen, regnete es im Dezember um ein Drittel mehr als es dem vieljährigen Mittelwert entsprechen würde. Aber auch die Niederschlagsverteilung im Dezember zeigt ein deutliches Nord-Südgefälle. Von Kärnten über die Südsteiermark bis ins südliche Burgenland regnete es im ersten Wintermonat 2018/2019 nur ein Viertel des Erwartungswertes.

Die auf die Fläche Österreichs bezogene Niederschlagssumme von Jänner bis Dezember 2018 zeigt ein Defizit in Bezug auf die Vergleichsperiode 1981 bis 2010 von etwas mehr als minus 10 Prozent. Das entspricht circa 10 km³ Wasser. In Vorarlberg, im Salzburger Flachgau und in Oberösterreich fehlt 2018 circa ein Drittel der mittleren Jahresniederschlagssumme.

Trockenjahre in immer kürzeren Abständen?

Die Monatsniederschlagssummen in den Trockenjahren 2003, 2015 und 2018 haben gewisse Ähnlichkeiten (siehe Bild 1 der Galerie). Jänner über dem Durchschnitt, von Februar bis April unterdurchschnittliche Monatssummen, der Mai im Mittel bis überdurchschnittlich, danach ein trockener, niederschlagsarmer und heißer Sommer. Der September und der November waren 2003 und 2018 abermals trocken. Nur der in den letzten Oktobertagen 2018 feuchte Süden ergibt österreichweit im Jahr 2018 eine mittlere Oktober-Monatssumme. Der Westen und Norden blieb auch im Oktober trocken. Der im Westen und nördlich des Alpenhauptkammes überaus feuchte Dezember sorgte für eine um ein Drittel über dem Vergleichswert liegende österreichweite Monatssumme. Dafür regnete es im Süden Österreichs im Dezember nur ein Viertel des vieljährigen Monatsmittelwertes.

Niederwasserverhältnisse an vielen Flüssen und Seen Österreichs. 

Die Trockenheit im Sommer und im Herbst reduzierte die Abflüsse ab Mitte August an vielen Gewässern in Österreich stark. An vielen Tagen blieben die Pegelstände der Flüsse und Seen teilweise unter den vieljährigen Niederwasserwerten. Vergleicht man die Abflussverhältnisse 2018 an der Donau mit jenen der Niederwasserjahre 2003 und 2015, so zeigen sich Ähnlichkeiten im Verlauf der Tagesmittelwerte (siehe Bild 2). Auch im Jahr 2018 fiel im August der Abfluss auf Niederwasserwerte wie sie in den vergangenen 100 Jahren noch nie beobachtet wurden. Beeinträchtigungen der Schifffahrt und eine reduzierte Energieerzeugung waren die Folge.

Regionale Unwetter mit Starkregen, aber österreichweit eine unterdurchschnittliche Niederschlagssumme

Vom Lavanttal in Kärnten über die Südsteiermark bis in das südliche Burgenland ereigneten sich 2018 viele Unwetter mit anhaltend hohen Niederschlagsintensitäten über mehrere Stunden. Einige Gemeinden waren mehrmals von flächenhaften Überflutungen betroffen. Die Niederschlagsmengen weniger Stunden erreichten das Niveau von Monatssummen. Selbst an Pegeln kleiner Einzugsgebiete wurden Hochwasserspitzen in der Größe von HQ1 bis HQ10 und vereinzelt darüber gemessen.

Ein Herbsthochwasser beendete nur im Süden die Niederwassersituation  

Ab dem 27.10.2018 kam es zu einem Vorstoß kalter Luftmassen von Skandinavien bis Spanien. In Folge davon bildete sich am 28.10.2018 ein wetterwirksames Mittelmeertief und brachte intensive Niederschläge für den Südwesten Österreichs. Am 30.10.2018 zog das Tiefdruckgebiet nach Norden und schwächte sich ab. Das Hauptniederschlagsgebiet lag westlich von Villach bis nach Osttirol. Die höchsten Niederschlagssummen wurden an drei Tagen, vom 27.10. bis zum 29.10.2018 gemessen. Der Mittelwert der 3-Tagessummen in den Hochwassergebieten beträgt ca. 170 mm, die höchsten 3-Tagessummen lagen zwischen 300 und 400 mm, an der Messstelle Plöckenpass an der Grenze zu Italien wurden sogar etwas weniger als 600 mm beobachtet. Die höchste Tagessumme wurde am 27.10.2018 an der Messstelle Jauken bei Mauthen im Gailtal mit 164 mm pro Tag beobachtet. 

Sowohl die Wetterlage, als auch die Niederschlagssummen dieses Ereignisses zeigen eine Ähnlichkeit mit dem katastrophalen Hochwasserereignis am 3.11. und 4.11.1966. Wie beim Ereignis 2018 war es im November 1966 ein Tief über dem westlichen Mittelmeer, welches feuchte, warme Luftmassen bis an den Südrand der Alpen führte und in Kombination mit einer kräftigen Südanströmung, Hebungsvorgänge förderte, die intensive Niederschläge auslösten.

Ein Weihnachtshochwasser verbesserte die Wasserbilanz im Westen, Norden und Nordosten Österreichs.

Während es im Süden Österreichs fast überhaupt nicht regnete, gestaltete sich der Dezember nördlich des Alpenhauptkammes sehr feucht. Die Niederschläge im ersten Monatsdrittel brachten den Winter und Schnee bis in die Täler der alpinen Regionen. Auch die höheren Lagen im Wienerwald präsentierten sich für einige Tage tief winterlich, mit einer 10 bis 20 cm hohen Schneedecke. Eine Südföhn-Wetterlage mit relativ hohen Temperaturen beendete diese Winterstimmung jedoch rasch. Zur Schneeschmelze in den Tallagen regnete es von Vorarlberg bis in den Nordosten Österreichs vom 21.12. bis zum 24.12. sehr stark und die Abflüsse in den Gewässern stiegen in kurzer Zeit vom Niederwasser zum Hochwasser. Der Abfluss am Pegel Korneuburg/Donau erhöhte sich vom 22. Dezember 2018 14:00 Uhr bis in die Nacht des 24. Dezember 2018 von 1000 m³/s auf circa 5500 m³/s, dem Höchstwert im Jahr 2018.

Kein Ende der Niederwasserperiode an der March.

Die über 160 Tage im Jahr 2018 anhaltende extreme Niederwasserperiode an der Thaya im niederösterreichischen Waldviertel wurde im letzten Dezemberdrittel beendet (siehe Bild 3 der Galerie). Der Abfluss am Pegel Raabs an der Thaya am 25. Dezember lag mit knapp 40 m³/s deutlich über dem vieljährigen Mittelwert an diesem Tag. Die seit Anfang Februar 2018 an der March vorherrschende Niederwassersituation hingegen, hat sich auch bis zum Jahresende nicht verbessert. Seit 3. Februar 2018 wurde am Pegel Angern an der March der vieljährige Tagesmittelwert an keinem Tag erreicht (siehe Bild 4). Der vorläufig mittlere Jahresabfluss 2018 von circa 45 m³/s ist der geringste seit 1960 beobachtete Jahreswert.

Die auf die Fläche Österreichs bezogene Abflussbilanz zeigt 2018 – ähnlich der Niederschlagsbilanz – ein Defizit von circa 10 Prozent im Vergleich zum Mittelwert der Periode 1981 bis 2010.

Erkenntnisse im Zusammenhang mit dem Klimawandel

Die Lufttemperatur steigt weiter an, die Vegetationsperiode verlängert sich, damit erhöht sich auch die Verdunstung. In Jahren mit unterdurchschnittlichem Niederschlag und ungünstiger jahreszeitlicher Verteilung, kommt die Wasserbilanz unter Stress. Trockenjahre werden häufiger auftreten. Das gilt für ganz Österreich.

Konvektive Starkniederschläge (Gewitter) verursachten auch 2018 kleinräumig, flächenhafte Überflutungen. Das wird in Zukunft häufiger auftreten und entspricht den Aussagen der Klimawandelstudie.

Herbsthochwässer im Süden Österreichs hat es auch in der Vergangenheit (November 1966, November 2012 und 2014) gegeben. Wetterlagen die große Hochwasser ergeben, wird es auch in Zukunft geben. Die Auftrittswahrscheinlichkeit bleibt jedoch ähnlich wie in der Vergangenheit.

Die räumliche Verteilung des Niederschlags im Jahr 2018 – weniger im Westen bis in den Nordosten, mehr Niederschlag im Süden – entspricht zwar nicht im Detail den Ergebnissen der Klimaszenarien, die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserbilanz im Alpenraum bleibt nach wie vor unsicher.

Zu Winterbeginn 2018 zeigten sowohl die quantitative Grundwassersituation, der Oberflächenabfluss und die Wasserbilanz der Seen nördlich des Alpenhauptkammes starke Defizite und das zu Beginn einer möglichen Winterniederwasserperiode. Damit wären auch Regionen die als wenig gefährdet für Trockenheit bewertet wurden, von Problemen mit der Wasserverfügbarkeit betroffen gewesen. Mit der durch die hohen Dezembertemperaturen in den Tallagen ausgelösten, ungewöhnlichen Schneeschmelzperiode im ersten Wintermonat und dem Niederschlag in Form von Regen bis in höhere Lagen jedoch, wurde ein weiteres Absinken der Grundwasserstände beendet.

Hydrographie 2018 in Bildern und Zahlen

Veröffentlicht am 03.01.2019, Wasserhaushalt (Abteilung I/4)