Ausführliche hydrographische Charakteristik des Jahres 2005

Die Jahresniederschlagshöhen lagen in der überwiegenden Anzahl der Flussgebiete über den Normalzahlen 1961 bis 1990.

Nur im Rheingebiet und im Draugebiet wurden geringere Niederschlagsmengen gemessen, als normalerweise zu erwarten wäre.

Die höchsten Jahresniederschlagssummen wurden im Donaugebiet von der Traun bis zum Kamp (ohne Enns) mit 120 Prozent ermittelt. Die geringsten Jahresniederschläge wurden im Rheingebiet mit 94 Prozent der Normalwerte verzeichnet.

Im Jahresverlauf war vor allem der Monat Oktober als besonders niederschlagsarm einzustufen mit Niederschlägen die im Mittel nur circa 45 Prozent der Normalwerte erreichten. Die größten positiven Abweichungen der Niederschläge von den Normalwerten wurden im Mittel für den Großteil des Bundesgebietes im August (153 Prozent) beobachtet.
 
Die Massenbilanz aller untersuchten österreichischen Gletscher war im hydrologischen Jahr 2004/2005 negativ.
 
Die Abflussverhältnisse des Jahres 2005 sind, bezogen auf das gesamte Bundesgebiet, als durchschnittlich zu charakterisieren. Regional und auch innerjährlich zeigte sich jedoch eine große Differenziertheit. Im Westen und im Süden (Rhein, Tiroler Inn, Isel, Gail) lagen die mittleren Jahresabflüsse unter dem langjährigen Mittel der Vergleichsreihe von 1991 bis 2000. Überdurchschnittliche Abflüsse waren an Salzach, Enns, Ybbs, Mur und Gurk, aber auch an der Raab und besonders am Kamp zu verzeichnen. Die außergewöhnlichen Niederschläge und Hochwasserabflüsse im Westen und Südosten Österreichs im August haben sich dagegen nicht in höheren Jahreswerten für diese Gebiete ausgewirkt.
 
Das Hochwassergeschehen in Österreich war im Jahr 2005 durch die großen Hochwasser im Juli an der oberen Salzach und im August in Vorarlberg, Tirol, und Teilen der Steiermark sowie durch eine Vielzahl markanter kleinräumiger Ereignisse geprägt. Ab Ende Mai bis Ende Juli und von Ende August bis in den September kam es bundesweit zu zahlreichen Unwettern mit Starkregen. Die resultierenden Abflüsse wiesen zum Teil seltene Eintrittswahrscheinlichkeiten auf und bilden in einigen Gebieten sogar das Jahresmaximum des Abflusses.
Vom 8. bis 12. Juli führten intensive flächenhafte Niederschläge in Salzburg, Tirol, in der Steiermark, in Kärnten, in Ober- und Niederösterreich zu einer Hochwassersituation. Schwerpunkt war das Hochwasser an der oberen Salzach (Mittersill) mit einer Jährlichkeit von 100 Jahren.
Vom 20. bis 24. August kam es infolge intensiver Niederschläge und hoher Vorbefeuchtung zu großflächigen Hochwasserereignissen. Vom 20. bis 22. August lag der Schwerpunkt zunächst in Ostkärnten, in der westlichen und südlichen Steiermark, im südlichen Burgenland und in Niederösterreich. Die Jährlichkeiten der Hochwasserscheitel betrugen verbreitet 5 bis 10 Jahre, bei den Grazer Stadtbächen 30 Jahre und in der südwestlichen Steiermark zwischen 50 und 100 Jahren. Großflächige Niederschläge im Bereich der bisher größten gemessenen Tagessummen und darüber verursachten vom 22. bis 24. August in Vorarlberg sowie im Westen und Norden Tirols eine extreme Hochwassersituation. An vielen Messstellen wurden die höchsten Wasserstände und Durchflüsse seit Beginn kontinuierlicher Beobachtungen registriert. Verbreitet sind den Hochwasserspitzen Wiederkehrzeiten von 30 bis 100 Jahren, in den am stärksten betroffenen Gebieten von weit mehr als 100 Jahren zuzuordnen.
Kleinere Hochwasserereignisse gab es 2005 im Februar, März, Mitte und Ende August sowie im September. Vom 3. bis 5. Oktober kam es zu einer Hochwassersituation an Gail, Möll, Lieser, Gurk und Lavant, vor allem aber im oberen Murgebiet, wo dieses Ereignis als ein 10- bis 30-jährliches einzustufen ist.
 
In Vorarlberg, in Tirol mit Ausnahme von Oberem Lechtal, Scharnitzer und Leutascher Becken, im steirischen Mürztal, im Nordburgenland sowie im Niederösterreichischen Zayatal und im Gebiet Fischamend bis Hainburger Pforte waren die Grundwasserverhältnisse das ganze Jahr 2005 unterdurchschnittlich, im Pöchlarner Feld und Horner Becken überdurchschnittlich.
In den von der Donau beeinflussten Gebieten Ober- und Niederösterreichs (ausgenommen Pöchlarner Feld und Fischamend bis Hainburger Pforte), der Welser Heide, dem Lafnitztal und dem Günstal lagen die Grundwasserstände das ganze Jahr über im Bereich des Mittelwerts.
In Salzburg sowie in den Grundwassergebieten Oberösterreichs mit geringer Mächtigkeit lagen die Grundwasserstände von Ende März bis Ende September, in Kärnten von Ende August bis Anfang November über dem langjährigen Mittel. Davor wie auch danach waren die Verhältnisse durchschnittlich beziehungsweise etwas unterdurchschnittlich.
In den übrigen Grundwassergebieten wurden zu Beginn des Jahres meist unterdurchschnittliche Werte gemessen. Es folgte ein genereller Anstieg, so dass bis spätestens September überall mittlere bis überdurchschnittliche Verhältnisse vorlagen, die bis zum Jahresende erhalten blieben. So trat auch in der Südsteiermark nach vier Jahren mit sehr niedrigen Grundwasserständen ein vollständiger Ausgleich der Defizite ein.
 
Während die Jahresmittel der Schüttung bei den Quellen im Osten Österreichs über dem Durchschnitt lagen, waren die Schüttungswerte im Westen und Süden größtenteils unterdurchschnittlich.

Weitere Informationen zur hydrographischen Charakteristik des Jahres 2005 finden sie im Hydrographischen Jahrbuch von Österreich 2005, das sie zur Gänze herunterladen können - siehe LINK auf dieser Seite.

Veröffentlicht am 22.07.2019, Wasserhaushalt (Abteilung I/4)