Ausführliche hydrographische Charakteristik des Jahres 2011

Die Jahresniederschlagssumme und die Abflussfracht 2011 war unterdurchschnittlich. Lokale Starkregenereignisse führten zu kleinräumigen Überflutungen.

Niederschlag und Gletscher

Die Jahresniederschlagshöhen der Flussgebiete lagen unter den Normalzahlen 1981 bis 2010. Die höchsten Jahresniederschlagssummen wurden im Rheingebiet und im Inngebiet oberhalb der Salzach mit je 93 Prozent der Normalwerte ermittelt. Die stärksten Unterschreitungen der Normalzahlen ergaben sich im Traungebiet, im Donaugebiet vom Kamp einschließlich bis zur Leitha (ohne March) und Moldau, im Rabnitz- und Raabgebiet und im Murgebiet mit je 81 Prozent. Bezogen auf das gesamte Bundesgebiet betrug die Jahresniederschlagshöhe 86 Prozent des Mittelwertes der Vergleichsreihe 1981 bis 2010.

Im Jahresverlauf ist vor allem der November hervorzuheben, in dem an den meisten Messstellen kein Niederschlag beobachtet wurde. Aber auch der Februar mit nur 33 Prozent und der April mit 58 Prozent der Normalwerte können als niederschlagsarm eingestuft werden. Die größte positive Abweichung der Niederschläge von den Normalwerten wurde im Mittel für das Bundesgebiet im Oktober (142 Prozent) und im Dezember (137 Prozent) ermittelt.

Die Massenbilanz der österreichischen Gletscher war im hydrologischen Jahr 2010/2011 allgemein negativ.

Großteils unterdurchschnittliche Abflussverhältnisse

Die Abflussverhältnisse des Jahres 2011 lagen, bezogen auf das gesamte Bundesgebiet, um 17 Prozent unter dem Mittelwert der Vergleichsreihe 1981 bis 2010. Dieses Defizit entspricht in etwa dem Defizit des Niederschlages. Erreicht wurde dieser Mittelwert nur an der Isel (102 Prozent) und an der Gail (97 Prozent). Am Inn bei Innsbruck sowie an Drau und Gurk betrug das Defizit nur 6 bis 9 Prozent. Alle anderen großen Fließgewässer wiesen, bezogen auf das Jahr, stark unterdurchschnittliche Abflussverhältnisse auf. Einige wenige Ausnahmen mit überdurchschnittlichen Jahresmittelwerten sind im Weinviertel und an der Wulka zu verzeichnen. Die Ursache dafür liegt in der starken Beeinflussung durch die Grundwasserspeicher, die in Folge hoher Niederschläge des Vorjahres noch immer gut gefüllt waren.

Hochwasserereignisse

Das Hochwassergeschehen 2011 wurde weniger durch großflächige Ereignisse oder solche mit seltenen Eintrittswahrscheinlichkeiten geprägt. Auffallend ist, dass die höchsten Jahresabflüsse bei etwa einem Drittel der Messstellen während des Hochwasserereignisses vom 13. bis 15. Jänner beobachtet wurden. Das Ereignis war in diesem Ausmaß für die Jahreszeit ungewöhnlich. Sogar die Donau und andere große Fließgewässer, die sonst ihr Abflussmaximum im Sommer aufweisen, erreichten ihren Jahreshöchstabfluss im Jänner.

Weitere Ereignisse, bei denen Jahreshöchstwerte registriert wurden, ereigneten sich im Juni, August, September und Oktober. Ein markanter Hochwasserscheitel mit HQ30 wurde im Oktober an der Isar beobachtet.

Hochwasserereignisse in kleinen Einzugsgebieten

Wie in den Jahren zuvor gab es von Mai bis September wieder eine Vielzahl von kleinräumigen Starkregenereignissen. Am 7. Juli kam es zu einem lokalen Starkregenereignis im Bereich der Wölzer Tauern. Die Zubringer zum Wölzer Bach reagierten mit Hochwasserabflüssen von HQ50 bis HQ100 und vermurten vor allem Ober- und Niederwölz. Am Pegel Niederwölz/Wölzer Bach wurde noch ein Hochwasserscheitel der Jährlichkeit 30 Jahre registriert.

Schwebstofftransport

Der mittlere Schwebstofftransport, beziehungsweise die Jahresfracht 2011 betrug an den meisten Messstellen nur etwa 50 Prozent des Mittelwertes der relativ kurzen Vergleichsreihe 2008 bis 2010. Eine Ausnahme bilden die Messstellen Vent/Rofenache, Tumpen/Ötztaler Ache und Lienz/Isel, die in Einzugsgebieten mit einem Gletscheranteil >5 Prozent liegen, und Lustenau (Höchsterbrücke)/Rhein. An diesen Messstellen war der mittlere Schwebstofftransport, beziehungsweise die Jahresfracht 2011 in etwa gleich groß oder größer als der Wert der Vergleichsreihe. Ebenso beeindruckte das Jahr 2011 nicht durch neue Rekorde bei den höchsten Schwebstoffkonzentrationen und –transportraten, sondern durch deren jahreszeitliche Verteilung. Erstmalig wurden an einigen Messstellen die höchsten Schwebstoffkonzentrationen und –transportraten im Jänner und Oktober beobachtet, während der Juli kaum betroffen war. Weitere höchste Schwebstoffkonzentrationen und –transportraten traten im Juni, August und September auf.

Grundwassersituation

Im Grundwasser gab es im Jahr 2011 nur zwei bedeutende Anstiege zufolge Niederschlägen, die in einem Großteil Österreichs beobachtet werden konnten: einen im Jänner und einen im Oktober. Im Westen und Süden des Bundesgebietes gab es auch im März und von Juni bis September immer wieder Grundwasserspitzen. In den Gebieten mit großer Speicherfähigkeit in Ober- und Niederösterreich, dem Nordburgenland und in der Steiermark herrschten das ganze Jahr leicht sinkende oder gleichbleibende Verhältnisse. Im Süden des Rheintals, in Oberösterreich, in Niederösterreich vom Unteren Ennstal bis zum Traisental, in Osttirol, dem Kärntner Rosental, in der Obersteiermark und im burgenländischen Günstal lagen die Grundwasserstände mit Ausnahme des Jänners das ganze Jahr unter dem langjährigen Mittelwert. Im Tullner Feld, im Marchfeld, im Marchtal, im Seewinkel, in der Parndorfer Platte und im Südburgenland befanden sich die Grundwasserspiegel wie schon in den Jahren zuvor auf überdurchschnittlichem Niveau. In den übrigen Gebieten schwankten sie um den Mittelwert.

Quellschüttung ebenfalls unterdurchschnittlich

Die Jahresmittel der Quellschüttungen lagen 2011 bei mehr als drei Viertel der beobachteten Quellen unter dem langjährigen Durchschnitt. Nur im Marchgebiet, Raabgebiet und Draugebiet wurde an der Mehrzahl der Messstellen eine überdurchschnittliche Schüttung beobachtet. Die Jahresmaxima der Schüttung traten vor allem in den Monaten Jänner, Juni und Oktober auf. Allein von 10. bis 11. Oktober wurde an 26 Messstellen das Jahresmaximum registriert.

Anmerkung zu den Vergleichswerten

In der Hydrologie ist es üblich, die beobachteten Daten mit den Mittelwerten einer vieljährigen Periode zu vergleichen und die Abweichung in Prozenten anzugeben. Mit dem Jahrbuch 2011 wurde diese Vergleichsreihe für alle Parameter - Niederschlag, Abfluss und Grundwasser - auf die Periode 1981 bis 2010 festgelegt. Damit ist es möglich die Abweichungen der wichtigsten Kennzahlen der quantitativen Wasserbilanz untereinander zu vergleichen und einen Bezug herzustellen. 

Weitere Informationen zur hydrographischen Charakteristik des Jahres 2011 finden sie im Hydrographischen Jahrbuch von Österreich 2011, das sie zur Gänze herunterladen können - siehe LINK auf dieser Seite.

Veröffentlicht am 22.07.2019, Wasserhaushalt (Abteilung I/4)