Hydrographische Charakteristik des Jahres 2015

Der Sommer 2015 war extrem heiß. Auch die Nächte brachten nur wenig Abkühlung. LängereTrockenperioden im Norden und Osten Österreichs wurden zum Problem für die Landwirtschaft. Die Abflüsse blieben für längere Zeit im Niederwasserbereich, kleine Gewässer fielen sogar trocken. Wie sich die Wasserbilanz im gesamten Jahr entwickelt hat, beschreibt das Hydrographische Jahrbuch 2015.

Es war ein überdurchschnittlich warmes Jahr, mit wenig Niederschlag.

Das Lufttemperatur-Jahresmittel 2015 lag um 1,4 °C über jenem der Vergleichsreihe von 1981 bis 2010. Die Monatsniederschlagssummen übertrafen im Jänner, Mai und im Oktober den jeweiligen Mittelwert um mehr als ein Drittel. Nur im September regnete es durchschnittlich viel, alle übrigen Monatsniederschlagssummen lagen deutlich unter den Vergleichswerten. Am niederschlagsärmsten präsentierten sich der August und der Dezember, in denen sogar die kleinsten Summen aus dem Vergleichszeitraum unterschritten wurden. Damit blieb in nahezu allen Flussgebieten die Jahresniederschlagssumme 2015 unter den Mittelwerten der Vergleichsreihe 1981 bis 2010.

Das größte Defizit von fast 30 Prozent ergab sich im östlichen Donaugebiet von der Traun bis zur Enns. Auch die Anzahl der Tage mit Niederschlag war auffallend gering.

Alle zwölf beobachteten österreichischen Gletscher wiesen 2014/2015 eine stark negative Massenbilanz auf.

Kleinräumige Hochwasserereignisse und eine anhaltende Niederwasserperiode im Nordosten Österreichs.

Bezogen auf ganz Österreich zeigt die Abflusssumme 2015 mit 85 Prozent vom Mittelwert der Vergleichsreihe 1981 bis 2010 ein deutliches Defizit. Nur in den alpinen Gebieten vom Rhein- bis zum steirischen Ennsgebiet sowie im Süden Österreichs an der Isel und an der Drau bis Amlach erreichte der Abfluss den Mittelwert der Vergleichsperiode. Dem stehen zum Teil stark unterdurchschnittliche Jahresmittel in allen anderen Flussgebieten gegenüber, besonders im Norden und Nordosten Österreichs. Am Kamp (Pegel Zwettl) beträgt das Jahresmittel nur 50 Prozent, an der Thaya in Schwarzenau-Süd 47 Prozent und unterhalb von Schwarzenau sowie an der March (Pegel Angern) nur 67 Prozent des Vergleichswertes.

Im Jahr 2015 gab es keine größeren überregionalen Hochwasserereignisse. Von Anfang Mai bis Anfang September führten zahlreiche Unwetter zu lokalen Überflutungen. Das Ereignis mit der höchsten Eintrittswahrscheinlichkeit von etwa 100 Jahren wurde durch ein Unwetter mit lokal extremen Niederschlägen, Murenabgängen und massiven Überflutungen in der Nacht vom 7. zum 8. Juni an der Melach (Pegel In der Au) in Tirol ausgelöst.

Von Juni bis Anfang Oktober herrschte trotz zahlreicher Unwetter besonders im Norden und Osten Österreichs eine anhaltende Trockenheit. Hochsommerliche Temperaturen und eine mit wenigen Ausnahmen niederschlagsarme Periode bewirkten an nahezu allen Fließgewässern von Salzburg ostwärts eine ausgeprägte Niederwassersituation. Besonders betroffen waren das Wald- und Weinviertel, Wien und das nördliche Burgenland.

Die Schwebstoff-Jahresfracht am Tiroler Inn war höher als jene der Donau bei Hainburg.

Die Schwebstoff-Jahresfrachten 2015 waren bei circa zwei Drittel der Messstellen unterdurchschnittlich. Lediglich sieben von 34 Messstellen, an der Sanna, im Ötztal, an der Sill und am Tiroler Inn wiesen überdurchschnittliche Jahresfrachten auf. Die höchsten im Jahr 2015 verzeichneten Schwebstoffkonzentrationen von 173.000 mg/l wurden am 10. August in Landeck-Bruggen/Sanna und von 117.000 mg/l am 7. August in Innsbruck-Reichenau/Sill jeweils durch Unwetter mit Murenabgängen verursacht. Am Tiroler Inn traten die höchsten Schwebstoffkonzentrationen und Schwebstofftransportraten am 7. und 8. Juni in Zusammenhang mit dem Hochwasserereignis im Sellrain-Gebiet auf. Daher waren die Jahresfrachten von Rattenberg und Oberaudorf am Inn überdurchschnittlich hoch und übertrafen sogar die Jahresfracht in Hainburg (Straßenbrücke)/Donau, welche deutlich unter dem mehrjährigen Mittelwert lag.

Wenig Niederschlag und unterdurchschnittliche Quellschüttungen.

An mehr als der Hälfte der beobachteten Quellen lagen die Schüttungen 2015 unter dem langjährigen Mittelwert. Die meisten dieser Quellen liegen nördlich des Alpenhauptkamms.

Die Trockenheit bewirkt erst in der zweiten Jahreshälfte einen Rückgang der Grundwasserstände.

Oft waren die Grundwasserverhältnisse im ersten Halbjahr 2015 überdurchschnittlich oder durchschnittlich und im zweiten Halbjahr unterdurchschnittlich. Nur im Osten Kärntens, im Grazer Feld, im Nordosten Niederösterreichs und im Nordburgenland lagen die Grundwasserstände gebietsweise das ganze Jahr über dem langjährigen Mittelwert.

In der zweiten Jahreshälfte sank das Grundwasser überwiegend ab. In den großen langsam reagierenden Grundwassergebieten im Osten Österreichs herrschten 2015 zunächst gleichbleibende, gebietsweise auch leicht steigende Verhältnisse, die ab Anfang März bis spätestens Juli von sinkenden Verhältnissen abgelöst wurden.

Weitere Informationen zur hydrographischen Charakteristik des Jahres 2015 finden sie im Hydrographischen Jahrbuch von Österreich 2015, das sie zur Gänze herunterladen können - siehe LINK auf dieser Seite.

Veröffentlicht am 22.07.2019, Wasserhaushalt (Abteilung I/4)