Hydrographische Übersicht Österreichs – Mai 2018

Vom Frühsommer im April zum Hochsommer im Mai. Wärmer als im heurige Mai war es zuletzt vor mehr als 150 Jahren, im Jahr 1868. Wie im Vormonat, gab es große Unterschiede in der Niederschlagsverteilung. Trocken im Westen und Norden, relativ feucht im Süden.

Überdurchschnittlich warm und das bis ins Hochgebirge.

Selbst die Tage der Eisheiligen vom 11. bis 14. Mai waren heuer überdurchschnittlich warm. Nur zur Monatsmitte, ab dem Tag der kalten Sophie gab es für drei Tage leicht unterdurchschnittliche Temperaturen (ZAMG). Bis ins Hochgebirge war die Lufttemperatur ungewöhnlich mild. Am ZAMG Sonnblick-Observatorium wurden nur 8 statt 17 Eistage registriert. Im Österreich-Mittel war der Mai um plus 2,6 °C wärmer als das klimatologische Mittel des Vergleichszeitraumes 1981 bis 2010.

Eine durchschnittliche Niederschlagssumme, mit extrem unterschiedlicher Verteilung.

Im Westen und in den Regionen nördlich des Alpenhauptkammes von Salzburg bis Niederösterreich regnete es wenig, im Süden hingegen – in Kärnten und der Südsteiermark – überdurchschnittlich viel. Damit entsprach die auf die Fläche Österreichs gemittelte Niederschlagssumme im Wesentlichen dem Erwartungswert, zwei unterschiedliche Regionen jedoch, sind hervorzuheben. Viel Niederschlag gab es in Unterkärnten und in der Südsteiermark, wo der Mai-Vergleichswert um 60 bis 70 Prozent überschritten wurde. In weiten Teilen Oberösterreichs und im Salzburger Flachgau blieb der Mai durchwegs trocken. Hier fehlen auf den Normalwert zwischen 30 bis 40 Prozent an Niederschlag. Nur eine große Zahl lokaler Gewitterniederschläge mit Starkregencharakter, brachten die Niederschlagsmonatssumme in Niederösterreich mit einer Abweichung von minus 10 Prozent, in die Nähe des Normalwertes.

Im Norden und Nordosten Österreichs verlängerte sich die bereits seit März 2018 anhaltende Trockenheit und hat sich auch weiter nach Westen in den Salzbuger Flachgau ausgedehnt. Die Kombination: wenig Niederschlag und deutlich überdurchschnittliche Lufttemperatur im Mai, verstärkte in diesen Gebieten den Trockenstress der Wälder. Von kleinen Trinkwasserversorgern wurden erste Engpässe in der Wasserverfügbarkeit gemeldet.

Viele Unwetterereignisse im Süden und Osten Österreichs.

Im ersten und letzten Monatsdrittel verging kaum ein Tag ohne Unwetterereignisse. Von kleinen lokalen Starkregenereignissen heimgesucht wurden dabei besonders die Regionen im Osten Kärntens, der West- und Oststeiermark, die Bucklige Welt in Niederösterreich und Burgenland, das niederösterreichische Industriegebiet, sowie das Wald- und Weinviertel. Die online übertragenen Pegel der Oberläufe in diesen Gebieten verzeichneten rasche, kurzfristige Anstiege auf Abflussspitzen in der Größenordnung zwischen HQ5 bis HQ10.

In den alpinen Einzugsgebieten im Westen und Süden Österreichs war der Abfluss noch stark vom Anteil der Schneeschmelze beeinflusst. Eine Ausnahme davon ist der Abfluss an der Bregenzer Ache. Der Monatsmittelwert blieb am Pegel Kennelbach fast minus 30 Prozent unter dem langjährigen Mittelwert.

In den schneefreien Einzugsgebieten nördlich des Alpenhauptkammes vom Flachgau in Salzburg bis in den Norden und Osten Österreichs – in Oberösterreich, im Mostviertel, im Mühl-, Wald- und Weinviertel – fielen die Abflüsse entsprechend der niederschlagsarmen Situation, deutlich in den Niederwasserbereich. Die Gewässer im Süden Österreichs verzeichneten im Mai fast durchwegs überdurchschnittliche Abflüsse zwischen plus 25 bis plus 80 Prozent. Am Pegel Neumarkt an der Raab wurde 2018 der Maimittelwert sogar um das Dreifache überschritten.

Über die aktuelle Situation der österreichischen Gletscher berichtet das Gletschertagebuch.

Im heurigen Winter ist mehr Schnee gefallen als in den Jahren zuvor. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) errechnete, dass der Meteorologische Winter (Dezember bis Februar) einer der niederschlagsreichsten Winter der letzten 30 Jahre war. Ab Februar allerdings fiel auf den Gletschern deutlich weniger Schnee als im langjährigen Mittel. Ein extrem warmer Frühling und Sahara-Staub setzten den Gletschern Österreichs danach aber stark zu, wie die Gletscherforscher Andrea Fischer und Hans Wiesenegger berichten und auch einen Ausblick auf den weiteren Verlauf geben. Den gesamten Bericht gibt es im Gletschertagebuch auf science.orf.at.

Grundwasser

In vielen Grundwassergebieten waren die Verhältnisse über den ganzen Mai gesehen etwa gleichbleibend oder sinkend, aber um die Monatsmitte trat eine Spitze auf. In Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich und im Nordburgenland unterblieb diese weitestgehend. In Tirol, Kärnten und der Steiermark gab es auch Gebiete in denen das Grundwasser im Mai überwiegend anstieg.

Veröffentlicht am 12.06.2018, Wasserhaushalt (Abteilung I/4)