Hydrographische Übersicht Österreichs - Juni 2019

Normal bedeutet in der Hydrologie, einem Mittelwert entsprechend. Der Juni 2019 war alles andere als normal. Es regnete weniger als die Hälfte des vieljährigen Monatsmittelwertes. Hochsommerliche Temperaturen lösten eine enorme Schneeschmelze in den Einzugsgebieten alpiner Gewässern aus. Am Tiroler Inn kam es zu einem außergewöhnlichen Hochwasserereignis.

Österreich erlebte den den wärmsten und sonnigsten Juni der Messgeschichte.

Auf den nassen und kühlen Mai, erreichte die Lufttemperatur in ganz Österreich bereits in den ersten Junitagen ein hochsommerliches Niveau. Sehr warme und zeitweise subtropische Luft strömte fast den gesamten Monat aus Süd und Südwest an die Alpen und aktivierte eine enorm hohe Schneeschmelze. Österreich erlebte den wärmsten, sonnigsten und auch trockensten Juni der Messgeschichte seit 1767. Der Mittelwert der Lufttemperatur lag im Juni 2019 um 4,7 °C über dem vieljährigen Mittelwert und damit deutlich über dem bisher wärmsten Juni im Jahr 2003, mit  plus 4,1 °C. Im Juni 2019 wurden sehr viele regionale Temperaturrekorde nach oben verschoben (Quelle: ZAMG).

Viel zu wenig Niederschlag in allen Regionen Österreichs.

Mit den langanhaltenden und sonnigen Wetterbedingungen erhöhte sich die Lufttemperatur und der Niederschlag blieb aus. Im österreichweiten Flächenmittel summierten sich im Juni etwa 50 mm Niederschlag. Das ist um fast 60 Prozent weniger Regen als in einem durchschnittlichen Juni. Der Juni 2019 zählt damit zu einem der Trockensten der vergangenen 162 Jahren. Nur im Juni 1887 und 1976 war es in Österreich ähnlich niederschlagsarm.

Die Schneeschmelze verursachte ein seltenes Hochwasserereignis.

Anfang Juni veränderte sich das Temperaturniveau bis in die alpinen Lagen hinauf, innerhalb weniger Tage von Frühjahr auf Hochsommer und aktivierte die Schneeschmelze in einem Ausmaß, wie sie zum Beispiel am Tiroler Inn und seinen Zubringern noch nie beobachtet wurde. In den ersten Juni-Tagen kamen zum Schmelzabfluss im schweizer Inn- und Rheineinzugsgebiet noch Niederschlagsanteile dazu. Die Vorländer am Rhein wurden geflutet und der Inn erreichte im Oberland eine seltene Hochwasserspitze. Der Juni Abfluss-Monatsmittelwert am Pegel Innsbruck/Inn stieg 2019 auf seit 1951 noch nie beobachtete 665 m³/s. Der bisherige Juni-Rekord von circa 550 m³/s stammt aus dem Jahr 1966.

Niederwassersituation im Norden, Osten und Süden Österreichs

An Gewässern mit geringem, oder keinem alpinen Anteil stellte sich ab der Juni-Monatsmitte zur meteorologischen Trockenheit allmählich auch eine hydrologische Trockenheit ein. Die Abflüsse vieler Gewässer im Osten und Süden Kärntens, in der Südsteiermark, im südlichen Burgenland, in Ober- und Niederösterreich und auch in Vorarlberg befinden sich zu Sommerbeginn bereits im Niederwasserbereich.

Hohe Grundwasserstände im Westen, Rückgang im östlichen Flach- und Hügelland.

Die Entwicklung der Grundwasserstände war im Juni in Österreich sehr unterschiedlich ausgeprägt. Im Flach- und Hügelland im Osten, Norden und Süden reduzierte sich der Grundwasserspiegel nach dem Anstieg im Mai überwiegend stark. In einigen Grundwassergebieten setzte sich der Anstieg des Vormonats noch einige Tage im Juni fort, bevor der Absinkprozess einsetzte.

In den alpinen Einzugsgebieten von Vorarlberg bis zur Enns stieg das Grundwasser in der ersten Monatshälfte stark an. In Tirol wurden an manchen Messstellen sogar neue Maxima registriert. Nach dem Höhepunkt der Schneeschmelze, reduzierte sich das Grundwasserniveau ab der zweiten Monatshälfte.

In Grundwassergebieten mit hoher Speicherfähigkeit und Überdeckung wurden steigende oder gleichbleibende Verhältnisse beobachtet.

Veröffentlicht am 15.07.2019, Wasserhaushalt (Abteilung I/4)