Nitrat im Grundwasser bzw. Trinkwasser

Nitrat wird von Pflanzen als Nährstoff verwertet und in der Landwirtschaft als Düngemittel eingesetzt.

Nitrat kann direkt von pflanzlichen Organismen als Stickstoffquelle aufgenommen und verwertet werden.

Überschüsse an Nitrat, die von den Pflanzen nicht aufgenommen werden, sammeln sich im Boden an. Bei Schneeschmelze oder Regen wird das Nitrat in tiefere Bodenschichten und damit ins Grundwasser ausgewaschen bzw. können auch Einträge über das Grundwasser oder oberflächliche Abschwemmungen in Fließgewässer oder Seen erfolgen. Nitrat in höheren Konzentrationen wird vor allem durch landwirtschaftliche Intensivnutzung (Überdüngung) sowie Abwasserversickerungen verursacht. Selbst wenn kein Nitrat mehr in den Boden eingebracht wird, kann es aufgrund der regional sehr unterschiedlichen Grundwassererneuerungszeiten lange dauern, bis der Nitratgehalt im Grundwasser abnimmt.

Der aktuelle Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser liegt laut der österreichischen Trinkwasserverordnung (BGBl. II Nr. 304/2001 idgF) bei 50 mg/l. In der Qualitätszielverordnung Chemie Grundwasser (QZV Chemie GW, BGBl. II Nr. 98/2010 idgF), welche die Grundwasserschwellenwertverordnung abgelöst hat, wurde der bisherige Vorsorgewert von 45 mg/l beibehalten.

Beim Menschen erfolgt eine körpereigene Nitratsynthese im Ausmaß von etwa 100 mg täglich. Fast dieselbe Menge wird über Nahrung (einschließlich Trinkwasser) aufgenommen. Die höchste Nitratzufuhr erfolgt dabei über Gemüse, welches genetisch bedingt sehr unterschiedliche Nitratgehalte aufweist.

Nitrat selbst ist in den Größenordnungen der zuvor angeführten Grenzwerte vollkommen ungiftig. Gefahr besteht für Säuglinge bis zum 3. Lebensmonat und für Menschen mit entarteter Darmflora durch die mögliche Reduktion zu Nitrit. Eine erhöhte Nitritbildung über das aufgenommene Nitrat kann vereinzelt für das Auftreten von Blausucht bei Säuglingen verantwortlich sein. Früher wurde Nitrat bzw. Nitrit über den Weg der Nitrosaminbildung auch als krebsfördernd angesehen. Trotz intensiver Forschung konnten diesbezüglich keine kausalen Zusammenhänge zwischen Nitrataufnahme und Krebsrisiko nachgewiesen werden.

In der Hauptsache dienen die Grenzwerte für Nitrat als Indikatorwerte für eine allgemeine Belastung der Trinkwasserquellen mit stickstoffhaltigen organischen Verschmutzungen, die es zu unterbinden bzw. zu reduzieren gilt.

Ausgehend von den Messwerten des Jahres 2016 weist rund die Hälfte der 1.942 untersuchten Messstellen Mittelwerte unter 10 mg/l auf, insgesamt bleiben rund 90 % der Messstellen unter dem Schwellenwert von 45 mg/l. Der Parameterwert für Trinkwasser von 50 mg/l wird an ca. 7 % der Messstellen überschritten.

In der Grafik wird der Anteil der Messstellen dargestellt, deren Mittelwert den Schwellenwert (Vorsorgewert) von 45mg/l überschreitet. Die Entwicklung der Nitratgehalte in den Grundwässern zeigt seit 1997 eine Abnahme der Belastung mit z. T.  deutlichen Schwankungen von wenigen Prozent- bzw. Zehntelprozentpunkten, was auf natürliche gegenläufige Effekte (Schwankungen der jährlichen Niederschlagsmengen, Bodenverhältnisse, Grundwassererneuerungszeit…) zurückgeführt werden kann.

Veröffentlicht am 17.04.2019, Nationale und internationale Wasserwirtschaft (Abteilung I/3)